Der Kunde wolle heute großen Aufwand, betonte DEAG-Vorstandsvorsitzender Peter Schenkow. „Doch aufwändige Produktionen kosten Geld. Viele Konzertveranstalter sind im Rahmen dessen, was der Künstler von ihnen verlangt, gar nicht alleine leistungsfähig.“ Deshalb sei die Tendenz zu größeren Einheiten ein „normaler Prozess“. Dennoch werde es in Zukunft auch weiter Platz für Nischenanbieter geben.
Ähnlich sieht dies Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandsvorsitzender der CTS Eventim AG. „Die Erfordernisse des Marktes bestimmen den Wandlungsprozess“ bekräftigte er. In einer Zeit schnelllebiger Trends und immer teurerer Künstler sei hoher Kapitaleinsatz erforderlich. Nur finanzstarke Unternehmen seien in der Lage, zusätzliche Geschäftsfelder zu akquirieren, was unabdingbar sei, um in Ballungsräumen erfolgreich Veranstaltungen durchzuführen.Doch neben populären Themen, die „den Markt definieren“, gebe es für kleinere Firmen weiterhin Raum für „nicht explizit populäre Veranstaltungen“.
Auch Künstlermanager Dieter Weidenfeld begrüßte den Trend zu Großkonzernen, denn die hätten ganz andere Möglichkeiten als kleinere Anbieter in Sachen Werbung und Promotion sowie in der großzügigen Gestaltung von Konzertveranstaltungen. Im Bereich der Eventagenturen sei Expansion zwar kein Muss, meinte Ralf Domning, geschäftsführender Gesellschafter der kogag Bremshey und Domning GmBH. Weil sein Unternehmen aber Kundennähe suche, brauche es zusätzliche Standorte.
, Geschäftsführer der Konzertagentur Hand In Hand Concept, betonte, die Unabhängigkeit seiner Firma wahren zu wollen und äußerte Skepsis gegenüber der „Fusionitis“. Den Großkonzernen gehe es in erster Linie um „schnöden Mammon“, während die Förderung von Kreativität zu kurz komme.
Dies bestritt Peter Schwenkow: „Größe und Kreativität schließen sich nicht aus. Ohne Geld kann Kreativität teilweise gar nicht reüssieren.“ Zudem habe die Existenz von Großkonzernen positive Auswirkungen für die gesamte Veranstalterbranche. Es sei für Unternehmen wie die DEAG viel eher möglich, Gehör bei der Politik zu finden, wenn es um Problemfelder wie Ausländersteuer oder Künstlersozialkasse gehe. Außerdem investiere die DEAG wie auch Konkurrent CTS Eventim enorm in Ticketing, Customer-Relationship-Management-Systeme und Internetportale. „Davon profitieren alle Marktteilnehmer“, betonte der DEAG-Chef. Er habe Interesse, die gesamte deutsche Branche zu unterstützen: „Wir wollen das Feld des Entertainments nicht den Ausländern überlassen“, meinte er vor allem angesichts der starken Konkurrenz nach Europa drängender amerikanischer Unternehmen.
Auch Klaus-Peter Schulenberg betonte die Aktivitäten seiner Firma im Internet mit dem Ziel, das führende Veranstaltungsportal im Netz aufzubauen. Das Internet biete die Chance, den Kundenservice in Zukunft erheblich zu verbessern. „Man kann mit dem Kunden kommunizieren, ihm Rezensionen von früheren Konzerten einer Tour zukommen lassen, ihm mitteilen, welche Songs er erwarten kann und ihm vorab sagen, wann das Konzert zu Ende sein wird.“ Schulenberg glaubt, dass bereits in drei bis vier Jahren das Gros der Tickets über die neuen Medien verkauft werden könnten. „Ein Besuch in einer Vorverkaufsstelle ist nicht erstrebenswert. Dort gibt es lange Schlangen, schlechten Service und wenig Kompetenz.“
Was die Eintrittspreise angeht, sieht Dieter Weidenfeld „80, 90 Mark für zwei Stunden beste Unterhaltung nicht als zu viel“ an. Es gelte Events zu schaffen, für die der Kunde bereit ist, entsprechende Preise zu zahlen. Peter Schwenkow meinte, die Preisfrage gehöre „entideologisiert“. Wenn ein Formel-eins-Rennen 300 Mark kostet, könnten auch aufwändige Konzerte so teuer sein. Um die Preise in der Breite stabil zu halten, müsse man die Marketingaufwendungen senken.
Und die Branche wolle künftig auch an den Einnahmen für Speisen, Getränke und Parken partizipieren. Schulenberg gab zu bedenken, dass hohe Preise aufgrund hoher Gagen für Künstler und Manager eben nicht zwangsläufig dem Veranstalter zugute kommen. Love-Parade-Veranstalter Ralf Regitz erklärte, dass das Techno-Großevent auch künftig keinen Eintritt kosten solle. Um das zu gewährleisten, müsse auch sein Unternehmen Planetcom expandieren mit dem Ziel, mehr Werbegelder zu generieren. Der Trend der Zukunft gehe nach vorherrschender Ansicht der Diskussionsteilnehmer hin zu großen Events an ungewöhnlichen Orten. So hält Peter Schwenkow irgendwann auch „ein Westernhagen-Konzert auf dem Mururoa-Atoll“ für denkbar.






