Heftige Kritik des Bundesverbands Phono am Rundfunk

In seinem Bilanzbericht für 1998 kritisiert der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft den Verlust der Bedeutung von Musik in den Medien. Das uneingeschränkte Sendeprivileg des Rundfunks sei demnach antiquiert und stehe zur Diskussion.

Die klassischen Präsentationsmedien für Musik, nämlich das Fernsehen und vor allem der Hörfunk, hätten in den letzten zehn Jahren drastisch an Bedeutung verloren. In den 80er Jahren noch waren ambitionierte Musikredakteure wichtige Vermittler zwischen Liebhabern und der Künstlerszene. Vor allem Hörfunkmacher hatten den Ehrgeiz, musikalische Schätze zu heben und zu präsentieren, neue Talente zu ihrem Publikum zu führen und aus den Produktionen von Newcomern Hits zu machen, so heißt es.

Mittlerweile habe sich die Situation jedoch fundamental verändert: Zählten vor einigen Jahren noch mehrere 1000 Titel zu den Playlists der Radiosender, so seien es heute nur noch zwischen 500 bis maximal 1500 Lieder. Populäre Musikproduktionen dienten dem Hörfunk lediglich dazu, die Reichweite zu verbessern – die Zeiten einer engen Zusammenarbeit zwischen Tonträgerindustrie und Hörfunk oder gar einer symbiotischen gegenseitigen Abhängigkeit seien damit praktisch vorbei.

Der Bundesverband räumt ein, daß in den öffentlich-rechtlichen Stationen noch immer ambitionierte Musikredakteure und Sendungen zu finden seien. Dennoch gelte es, das geltende Senderecht einer grundlegenden Überprüfung zu unterziehen. Es sei nicht mehr angemessen, daß Sendeanstalten Zugriff auf das gesamte musikalische Weltrepertoire ohne die Zustimmung der ausübenden Künstler und Tonträgerhersteller haben, da Hörfunk- und Musikszene sich nicht mehr gegenseitig ergänzten.