Eröffnungsrede: Zukunftsmusik – nicht ohne uns!

Der Vorsitzende des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft ließ in seiner Eröffnungsrede zur Popkomm 2000 keinen Zweifel daran, dass die Kompetenz der Musikindustrie in Zukunft „mehr gebraucht wird denn je“. Gerade im Online-Zeitalter seien deren Fähigkeiten gefragt, Talente zu entdecken, zu fördern und zu vermarkten.

Stein verwies darauf, dass das Internet die neuen Talente mit Sicherheit unterstützen kann, da Musiker problemlos elektronische Demotapes versenden und Musikinteressierte in neue Musik hinein hören könnten. Er zweifele jedoch daran, „dass nun plötzlich unglaublich viele Newcomer per Internet den Durchbruch schaffen“.

Stein prognostizierte, dass auch die neuen Internet-Plattenfirmen ihren Geldgebern bald die Einkommensseite ihrer Bilanz präsentieren müssten und spätestens dann Seite an Seite mit ihren Künstlern für deren Rechte im Online-Zeitalter kämpfen werden: „Sie werden feststellen, dass die Produktion von Musik viel teurer ist als ihre Reproduktion. Und auch sie werden dann Firmen wie Napster und MP3.com verklagen, wenn diese illegal ihre Produkte vertreiben“. Stein erklärte, dass er Tauschbörsen wie Napster, Gnutella oder Freenet nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance verstünde, da sich mit der Technik, die sie ermöglichen, auch verschlüsselte Inhalte verbreiten lassen.

Musik, so Stein, sei nicht nur einer der wichtigsten Inhalte im Netz, sondern zudem eine der wichtigsten Attraktionen der Erlebnisgesellschaft, in der Zeit immer kostbarer würde. Die Menschen schenkten sich schon jetzt „lieber Karten für das Theater oder Boxkämpfe als Staubfänger fürs Regal.“ Zudem werde die Entwicklung, immer öfter und immer länger am Computer zu sitzen, das Bedürfnis verstärken, „draußen in der echten Welt etwas zu erleben“. Viele Firmen würden deshalb Entertainment verstärkt in ihr Marketingkonzept integrieren. „Ob Turnschuhmarke, Kinofilm, Burger-Laden, oder Computerspiel – alle wollen von dem Lebensgefühl profitieren, dass der jeweilige Musikstil vermittelt, sei es nun Rap oder Volksmusik“, sagte Stein.

Wer glaube, Musik sei bereits jetzt allgegenwärtig, habe noch nicht mit der Zukunft gerechnet. Technik und Infrastruktur seien vorhanden, um Musik immer und überall hörbar zu machen, sei es via Handy oder Uhr. Stein sagte, dass ganz gleich über welches Medium Musik einmal übertragen werde, „dieTrendscouts und Marketingexperten der Musikindustrie werden mehr gebraucht denn je, um die schöne neue Medienwelt mit professionellen Inhalten zu füllen“.