Ein Nischensegment im Aufwind

DerBundesverband der Phonographischen Wirtschaft gab kürzlich die Marktzahlen für das erste Halbjahr bekannt. Dabei stach ein Wert besonders heraus: das Plus von 20 Prozent auf nun 600.000 verkaufte Vinylmaxis. MUSIKWoche fragte nach dem Trendprodukt.

“In den Zahlen des Bundesverbands sind Vertriebe wie Discomania gar nicht vertreten“, sagt Armin Johnert, Discomania-Vertriebsleiter und A&R für exklusive Vertriebs-Labels der Rosbacher Firma. „Wären wir dort verzeichnet, sähe es noch besser aus. Allein 1998 verkauften wir über eine Million Platten.“ Das Plus spürt auch der Handel. „Meine Umsatzzahlen in diesem Bereich konnte ich in den vergangenen Jahren hochschrauben“, sagt Manfred Krug von Da Capo in Fürth. Er bedient in seinem Geschäft und mit dem angeschlossenen Mailorderversand Käufer von audiophilen Pressungen. Den Hauptumsatz bringen Trendprodukte, wie Christian Fischer, bei WOM in München für den Vinyleinkauf zuständig, erklärt: „Wir machen extrem gute Umsätze. Seit 1997 stiegen die Zahlen um das Vier- bis Fünffache. Gerade bei Dance- und HipHop-Themen scheint der Trend unaufhaltsam. Das läßt sich daran erkennen, daß jeder, der vor ein paar Jahren noch Gitarre spielen wollte, sich heute zwei Plattenspieler wünscht. Ein Problem ist, daß Vinyl nur teilweise retourniert werden kann – andererseits ist die Nachfrage oft größer als das Angebot.“ Einer der führenden Distributoren von 12-Inches und LPs ist die Kölner Firma Groove Attack. Geschäftsführer Frank Stratmann: „Ein Grund, warum der Bereich in die Höhe geht, sind deutsche HipHop-Acts. Von denen verkaufen wir teilweise 5000 Maxis. Das ist nicht nur ein kurzer Trend.“ Groove Attack vertreibt unter anderem exklusiv die Pressungen des Labels Four Music, dessen CD-Versionen über Sony Music erhältlich sind. Auch Mark Ladage, Special Interest Coordinator bei Sony Music, spürt den Trend: „Wir veröffentlichen wieder mehr auf Vinyl – und das rechnet sich. Bei,Black Elvis – Lost In Space‘, dem neuen Album von Kool Keith auf Columbia, machen die LP-Verkäufe 33 Prozent des Absatzes aus.“ Die Entwicklung bestätigt Lars Vormann, bei Zomba als Product Manager für Produkte von Yo Mama verantwortlich: „Vinyl zieht an. Bei deutschen HipHop-Themen tragen 12-Inches rund 20 bis 25 Prozent zu den Verkäufen bei. Im Falle von,Sport‘, der Debüt-Maxi von Eins, Zwo, waren es 50 Prozent.“ Bei aller Begeisterung betont Jürgen Knoth, geschäftsführender Gesellschafter bei K&K/Elpi: „Schallplatten und Importe bringen nur etwas, wenn das Personal vorhanden ist, die Produkte zu verkaufen. Die Verkäufer müssen das Publikum aufbauen.“ Mit Blick auf den typischen Vinylkunden stellt er fest, daß es „sich um ein dankbares, aber anspruchvolles Publikum handelt“.