Echo-Handelspartner vor dem Aus: Das Ohr schließt im März

Das Fachgeschäft Das Ohr schließt zum März nach fast zwölf Jahren seine Türen. Zwölf Mitarbeiter sind davon betroffen. Probleme bereitete vor allem die stetig gewachsene Zahl der Mitbewerber in einem begrenzten Marktumfeld.

“Wir mussten uns zu diesem Schritt entschließen, weil der Markt in Münster durch die vielen Mitbewerber übersättigt ist“, erklärt Klaus Ricke, Geschäftsführer der Das Ohr Schallplatten Vertriebs GmbH mit Sitz in Coesfeld. „Und in Münster ist heute keiner mehr zufrieden.“

Ricke leitet von Coesfeld aus einen bereits in den sechziger Jahren gegründeten Großhandel mit einem angegliederten Einzelhandelsgeschäft und einer weitere Filiale in Chemnitz, die von der Schließung in Münster nicht betroffen sind. „Wir hatten in Münster einen sehr kundenorientierten und deshalb auch sehr kostenintensiven Laden“, ergänzt Ricke.

Nach der Eröffnung im Juni 1989 stieg Das Ohr mit einer Verkaufsfläche von rund 700 Quadratmetern schnell zu einem Aushängeschild der Branche auf. Davon zeugt die Verleihung des ersten Echos als Handelspartner des Jahres 1991 an das Ohr-Team. Zum zehnten Jubiläum ging vor zwei Jahren die Geschäftsführung des Geschäfts von Uwe Krüger auf Günter Kösters und Lutz Eilert über.

Beide mussten aber im Zuge einer steigenden Zahl von Mitbewerbern Umsatzrückgänge wegstecken. „Nachdem in Münster MediaMarkt und Saturn eröffneten, verzeichneten wir Einbußen von rund 20 Prozent“, stellt Kösters fest. „Diese Umsätze fehlen uns, um rentabel zu sein.“ Zudem erwies sich die Lage des Ladenlokals als Hindernis. „Wir hätten spätestens 1997, als es in der Innenstadt Möglichkeiten gab, einen besseren Standort suchen müssen“, erklärt Kösters. „Seit der Eröffnung des HMV ist unsere Lage nicht einmal mehr 1b zu nennen.“

Obwohl das Team bereits im November die Kündigung erhielt, „hatten wir trotzdem noch ein erstaunlich erfolgreiches Weihnachtsgeschäft“, sagt Kösters, der das Engagement und die Motivation seines Teams lobt. „Die Mitarbeiter aus dem Ohr wären für den einen oder anderen Mitbewerber in Münster ein echter Kompetenzgewinn.“ Teils bietet sich auch eine Möglichkeit zur Weiterbeschäftigung im Coesfelder Großhandel.

Kösters, der auf die Frage nach seinen eigenen Zukunftsplänen äußert, gern „Urlaub machen und Fett ansetzen“ zu wollen, will sich „erst, wenn der Laden leer ist, darum kümmern, was ich künftig mache“. Die Lust, Platten zu verkaufen, hat er aber noch nicht verloren. Er resümiert: „Es waren immerhin schon einige Kunden da, die nur noch Trauerflor tragen wollten.“

Nagelprobe in Münster

Die Universitätsstadt Münster ist ein Testfeld für den Tonträgerhandel: Im Laufe von drei Jahren eröffneten Filialen von MediaMarkt und Saturn sowie von HMV. Nach dem Aus für Das Ohr ringen noch 13 Shops um rund 250.000 Einwohner: MediaMarkt, Saturn und ein ProMarkt der ReWe-Gruppe, Abteilungen von Karstadt und Galeria Kaufhof, die Fachhändler HMV, jpc, Jörgs CD-Forum, ELPI und Discoteca sowie Green Hell als Spezialist für Punk-Rock und Dundrum für die Dance-Szene. Neben dem Ohr strichen bereits das HipHop-Outlet Eightball, der Vinyl-Händler Die Rille und der High-End-Anbieter JazzClassics die Segel. Und der Reggae-Shop Irie schloss sein Geschäft und verlegte sich auf den Versand.

Text: Knut Schlinger