MUSIKWoche: Haben Sie bei der Gründung von Viva mit der rasanten Entwicklung des Senders gerechnet?
Dieter Gorny: Nein, natürlich nicht, damals hat man über Viva gelacht. Unsere Position bildete Mitte der Neunziger Jahre ja auch nicht gerade die richtige Ausgangsbasis, um an die Börse zu denken.
MW: Was waren die größten Triumphe in der Geschichte von Viva?
Gorny: Der größte Erfolg ist für mich, dass so etwas wie Viva in der deutschen Medienlandschaft überhaupt möglich war.
MW: Gab es für Sie persönliche Lieblingssendungen im Viva-Programm?
Gorny: Besonders gern erinnere ich mich an die alte Form der Sendung „Wah Wah“, die zu Beginn noch auf Viva lief und jetzt als „Wah²“ auf Viva Zwei kommt. Damals machten Musiker die Moderation aus einem Proberaum heraus gemacht, dazu lief beständig laute Musik.
MW: Kann man das Selbstverständnis von Viva in wenigen Worten zusammenfassen? In welchen Punkten hat es sich im Laufe der Jahre geändert?
Gorny: Wir machen Popkultur aus einem Markt für einen Markt. Und das wird sich auch nicht ändern.
MW: Wo sehen Sie die gesellschaftliche Stellung und Aufgabe von Viva?
Gorny: Wir sind ein medienkultureller und sozial verantwortungsvoller Faktor, der aber natürlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten operieren muss.
MW: Sprang Viva in eine Bresche, die durch mangelnde Musikangebote bei den Öffentlich-Rechtlichen entstanden war?
Gorny: Musik-TV macht immer ein spezielles Angebot, dass zugleich von anderen Anbietern begleitet wird. Private Musikstationen und die öffentlich-rechtlichen Sender ergänzen sich wunderbar. Darüber hinaus kooperieren wir mit dem ZDF, unter anderem bei der Sendung „Chart Attack“. Gemeinsam mit dem SFB produzieren wir das wöchentliche Magazin „Berlin Beat“. Und mit unserem Nachbarn, dem WDR, planen wir zur Zeit eine enge Zusammenarbeit mit Peter Rüchels „Rockpalast“.
MW: Wie wichtig ist Ihnen der Standort Nordrhein-Westfalen?
Gorny: Hier leben wir und unsere Familien, hier liebt man uns. Und hier gibt es zwei Flughäfen, von denen aus man gut reisen kann.
MW: Macht Viva Hits, oder machen die Hits Viva?
Gorny: Sowohl als auch. Wir kennen unsere Zielgruppe, die wiederum genau weiß, was sie von Viva erwarten kann. Dennoch müssen wir mehr werden als eine reine Abspielstation für Clips. Sonst enden wir vor dem Dilemma, dass wir uns beim musikalischen Kernprodukt nur marginal vom Konkurrenten unterscheiden.
MW: Worin liegt die Markenkraft von Viva?
Gorny: Die Strahlkraft unserer Marke können wir nur zwischen den Videos entwickeln – durch Verpackung, Personen, Service, die Sendungen und das Feeling, das dadurch aufgebaut wird.
MW: Wie sagen Sie zur Ansicht einiger Marktteilnehmer, Viva entscheide durch die Video-Selektion über Erfolg oder Misserfolg eines Songs?
Gorny: Bei der Auswahl der uns zugesandten Clips müssen wir selektieren. Das ist nicht immer einfach, aber der Erfolg beim Publikum zeigt, dass wir mit unseren Entscheidungen grundsätzlich richtig liegen. 90 Prozent aller Titel, die wir aussuchen, finden sich später in den Charts wieder.
MW: Wie kamen Sie zu der Idee, mit Viva Fernsehen an die Börse zu gehen und daraus einen Medienkonzern zu machen?
Gorny: Der IPO stand am Ende eines längeren Diskussionsprozesses mit den Gesellschaftern. Wichtiger war am Anfang, was man mit Viva machen konnte und wollte. Die Art der Finanzierung war dann nur noch das Pünktchen auf dem i.
MW: Was verändert sich durch den Gang an die Börse?
Gorny: Wir werden mit aller Konsequenz öffentlich. Und unsere Wünsche und Pläne werden Realität: Viva ist nun auf dem Sprung vom Fernsehsender zum Medienkonzern. Das ändert Struktur und Philosophie der Firma, denn der Börsengang ist ein größerer Schritt als die Europa-Expansion, die wir vor einem Jahr gestartet haben.
MW: Wie verändert sich die Zusammenarbeit mit den Plattenfirmen durch den Börsengang?
Gorny: Das Verhältnis zur Industrie bleibt durch den IPO unberührt, denn wir sitzen alle in einem Boot. Wir brauchen die Musikindustrie genauso, wie sie uns braucht. Viva will auch in Zukunft diese Energien effizient für beide Teile nutzen.
MW: Bleibt Musikfernsehen das Herzstück der Viva Media AG, welche Rolle spielen die neuen Geschäftsfelder?
Gorny: Der TV-Bereich bleibt auch für die Zukunft der zentrale Umsatzträger. Die neuen Geschäftsfelder – Internet, Radio und die Agentur Connect – sind jedoch wichtig für das angestrebte aggressive Wachstum.
MW: Wo liegen die Nahziele, was sind Ihre Fernziele für Viva?
Gorny: Das nahe Ziel ist, Viva erfolgreich an der Börse zu platzieren. Eine Aktie, die permanent im Wert steigt, bildet dann für mich das Fernziel. . .








