Dieter Gorny: „Auf dem Sprung zum Medienkonzern‘

Seit sieben Jahren lenkt der 46-jährige die Geschicke des Kölner Privatsenders . Der Gang an die Börse und die Umwandlung zur Viva Media AG läuten für Gorny ein neues Kapitel in der Geschichte des Unternehmens ein.

MUSIKWoche: Inwiefern beginnt mit der Viva Media AG eine neue Ära? Dieter Gorny: Unsere Wünsche und Pläne werden Realität: Viva steht nun auf dem Sprung vom Fernsehsender zum kleinen Medienkonzern. Das ändert Struktur und Philosophie der Firma, denn der jetzige Prozess ist ein größerer Schritt als die Europaexpansion, die wir vor einem Jahr gestartet haben.

MW: Welche Konsequenzen hat die neue Struktur von Viva auf die multimedialen Projekte des Senders? Gorny: Wir haben bisher Objekte wie das Printmagazin als Seitengeschäft behandelt. Viva ist bei diesen Projekte nicht unternehmerisch investiv vorgegangen, sondern hat sie nur als Bestandteil von Licencing-Geschäften betrieben. Jetzt begreifen wie diese Objekte als ein Business-Case. Das heißt, dass wir aufgrund unser neuen Situation nicht mehr in strategische Marktabhängigkeiten geraten. Als ernstzunehmender Spieler und als börsennotiertes Unternehmen können wir künftig mit kompetenten Partnern mehr bewirken.

MW: Laut MTV-Chefin Christiane zu Salm hat ihr Sender Viva überholt. Was erwidern Sie ihr? Gorny: Seit der Astra-Aufschaltung am 1. Januar 1999 verfügt der Mitbewerber über neun Millionen Haushalte mehr, die nur MTV schauen können. Wenn MTV so gut sein sollte, wie zu Salm vorgibt, müsste MTV seit 1999 längst massiv Marktführer sein. Von der Programmentwicklung und der Positionierung der Marke haben sie jedoch noch immer ein Problem, denn alle Zuwächse, die MTV verzeichnen sollte, beruhen ausschließlich auf diesem technischen Grund.

MW: Wie sieht Ihrer Meinung nach die tatsächliche Entwicklung aus? Gorny: Alle wissen – und auch unserem Konkurrenten ist das bekannt -, dass MTV seit diesem Datum kaum zugelegt hat. Das belegen unabhängige Studien, in denen VIVA trotz Astra bis zu 33 Prozent vor MTV liegt. Ich denke, dass MTV sehr genau weiß, wie die Sender GfK-intern dastehen. Von der Marke her ist MTV auf dem alten Niveau festgeschraubt. Wenn wir das Gezeter ob der Marktführerschaft leid sind und die Astra-Frage neu entscheiden, wird die gesamte MTV-Strategie wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. MTVs Aktivitäten in Deutschland bleiben derzeit eine Luftnummer und basieren nicht auf Inhalten. Anderseits ist der Kanal ein hochgradig kompetenter Wettbewerber mit einer weltweit etablierten Marke, den ich mit allem Respekt behandle.