Charts KW44: Rückkehr aus dem Reich der Toten

Die Big Brother-Familie erhält Nachwuchs in den Charts. Aber auch verdiente Künstler finden diese Woche den Weg aus dem Grab zurück in die deutschen Hitlisten.

Mit dem bezeichnenden Titel „Renaissance“ knüpft der amerikanische Soul-Sänger Lionel Richie an alte Erfolge an. Sein neues Album steigt nach einem Auftritt bei der ZDF-Sendung „Wetten, dass…?“ von null auf drei in die deutschen Longplay-Charts ein. Damit erreicht sein sechstes Solo-Album bereits eine höhere Platzierung als die beiden Vorgänger: „Time“ landete 1998 auf Rang 15, „Louder Than Words“ kletterte zwei Jahre zuvor nur auf 26. Die Best-Of-CD „Back To Front“ stieg 1992 bis auf Positon zwei, den gleichen Rang erreiche 1983 sein Debütalbum „Can’t Slow Down“ – der Nachfolger „Dancing On The Ceiling“ besetzte 1986 Platz fünf.

Zu einer anderen Renaisance verhilft der englische Big-Beat-Bastler Fatboy Slim dem 1971 verstorbenen Doors-Sänger Jim Morrison. Auf der Single „Sunset (Bird Of Prey)“, die auf 91 in die Charts rutscht, samplet Fatboy Slim aus einem Gedicht von Morrison, das der Rockpoet an seinem letzten Geburtstag am 8. Dezember 1970 aufgenommen hatte. Das letzte Mal in den Charts war Morrison indes mit seiner Band 1971, als die Single „Riders On The Storm“ Position 28 erreichte. Den größten Erfolg erzielte eine Doors-Single jedoch ohne den Nietzsche-Schüler und Brecht-Bewunderer: 1973 flog der „Mosquito“ mit Gitarrist Robbie Krieger an den Leadvocals bis auf 25.

Nach ihrem Auftritt bei Gottschalks Samstagabendshow stieg das gleichnamige Album der kanadischen Sängerin Lara Fabian auf 40 wieder in die Charts ein. Ihre Single,„I Am Who I Am“ verbessert sich zudem auf Rang 71. Zu einer ähnlich existentiellen Erkenntnis kommt der Rapper Eminem, der auf 19 „The Way I Am“ beschreibt. Noch einfacher hatte es sich 1984 Gloria Gaynor gemacht, als sie ihre These „I Am What I Am“ formulierte. Der Song brachte es bis auf 35.

Die Single „Zeig mir dein Gesicht“ des Cindy & Bert-Sprössling Berger stellt diese Woche den höchsten Neueinsteiger bei den Singles. Der Song stammt aus der CD zur zweiten „Big Brother“-Staffel. Container-Veteran Jürgen verbessert sich auf Rang 22 mit dem Lied „Ich bin da“. Unterwegs sind hingegen noch eine Menge anderer Künstler: „Geh davon aus…“ formulieren die Söhne Mannheims auf sechs, „Wie es geht“ erklären die Ärzte auf 39 und Jeanette will lieber „Go Back“ (Rang 18).

Die Pole-Position bei den Longplays erobern die Metal-Rapper von Limp Bizkit mit ihrer dritten Platte im Sturm. Der Vorgänger „Significant Other“, der bis auf Rang 13 kam, ist unterdessen noch immer platziert. Er steht in der 58. Woche auf 57.

Bei den Singles ist die Verweildauer in den Charts nicht so langlebig. Mit 35 Wochen rangiet „Anton aus Tirol“ am längsten in den deutschen Top 100, dahinter folgt „She’s Got That Light“ von Orange Blue mit 20 Wochen. Und solange brauchte die von edel veröffentlichte Single, um mit Gold ausgezeichnet zu werden. In der ersten Woche entert der Longplayer der beiden Pop-Newcomer jedoch gleich auf Rang sieben.