BVMI-Vorstände analysieren die Entwicklung im Musikmarkt 2018

Die deutschen Musikunternehmen erzielten im Jahr 2018 im Geschäft mit Recorded Music einen Gesamtumsatz beinahe auf Vorjahresniveau. MusikWoche wollte dazu von den Vorständen des Bundesverbands Musikindustrie wissen, wie sie das Ergebnis beurteilen.

MusikWoche wollte von den Vorständen des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) wissen, wie sie das Ergebnis im Gesamtmarkt für 2018 beurteilen und welche Entwicklung sie für 2019 erwarten.

„2018 hat sich in Deutschland der Trend in Richtung Consumption-Model erneut mit hoher Geschwindigkeit fortgesetzt“, bilanziert Frank Briegmann, President & CEO Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon. „Audiostreaming ist nun die größte Umsatzquelle im Gesamtmarkt. Gleichwohl sichert sich die CD einen im internationalen Vergleichsmaßstab immer noch hohen Anteil von 36,4 Prozent an den Gesamtumsätzen. Wir werden in diesem Umfeld also weiterhin alle Formate bedienen solange sie nachgefragt werden und wirtschaftlich Sinn machen. Unser Augenmerk liegt aber auch auf der Chancengleichheit im digitalen Raum. Die Urheberrechtsnovelle der Europäischen Union kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.“

Bernd Dopp, Chairman & CEO von Warner Music Continental Europe, bewertet die Entwicklung im letzten Jahr folgendermaßen: „Der deutsche Musikmarkt beendete das Jahr 2018 mit einem Minus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nahezu flat. Insgesamt beobachten wir nach wie vor ein starkes Wachstum und einen konstanten Zufluss neuer Zielgruppen im Streamingbereich. Dabei spitzt sich der Wettbewerb zwischen den Streamingplattformen weiter zu. Die aus anderen Märkten wie beispielsweise Skandinavien bekannten Saturierungsraten sind in Deutschland aber noch längst nicht erreicht, sodass wir hier weiterhin deutliches Steigerungspotenzial sehen. Das Jahr 2018 wird in die Geschichte eingehen als das erste Jahr, in dem digitale Erlösmodelle mit 57 Prozent der Umsätze den deutschen Markt stärker bestimmen als physische Produktkäufe mit 43 Prozent – dieser Trend wird sich weiter fortsetzen, auch durch den erwarteten Bedeutungsgewinn neuer digitaler Geschäftszweige, wie beispielsweise Voice Activated Services. Optimistisch stimmt uns außerdem, dass der deutsche Musikmarkt im für uns zunehmend wichtigen Teilmarkt Pop National im Jahr 2018 um 1,8 Prozent gewachsen ist. Ebenfalls ein starkes Zeichen für die Bedeutung von Domestic ist die Entwicklung im Single-Bereich, wo wir im Kalenderjahr 2018 im Markt einen Chartsanteil von über 50 Prozent registrieren konnten. Das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Im Single-Segment freuen wir bei Warner uns besonders darüber, dass wir fünf der Top Ten Hits der offiziellen GfK Entertainment Top 100 Singles Jahrescharts 2018 stellen. Einen bemerkenswerten Erfolg sehen wir aber auch in der Steigerung der Anzahl unserer Nummer-eins-Singles sowie in der erneuten Spitzenplatzierung von Atlantic Records als mit Abstand erfolgreichstes International-Label in den deutschen Single-Charts.“

Für 2019 erwartet Bernd Dopp „einem wieder wachsenden Markt, der vor allem von Zugewinnen im Streamingbereich profitieren wird. Länder wie die USA oder UK sind schon seit Jahren deutlich stärker digitalisiert. Dort profitiert man aktuell stark von der Abwanderung aus dem Download- in den Streamingbereich. Da der Downloadmarkt hierzulande anteilig nie so groß war wie zum Beispiel in den USA, findet die Abwanderung auf dem hiesigen Markt vor allem vom physischen Handel in den Streamingbereich statt. Diese Dynamik brauchte zwar etwas länger, nahm dafür aber vor allem in den vergangenen zwei Jahren deutlich an Beschleunigung auf. Wobei gerade die große Konsumentengruppe der über 40-Jährigen in Deutschland nach wie vor mehr Geld für To-Own-Formate ausgibt als für Streaming. Für 2019 gehen wir von Warner Music Germany deshalb von einem sehr intensiven Wettbewerbsumfeld im Streaming aus. Anbieter werden weiter versuchen, neue Zielgruppen zu gewinnen, und stehen dabei unter dem Druck der Differenzierung. Der physische Markt wird vor diesem Hintergrund weiter zurück gehen, aber von großer Bedeutung für den deutschen Musikmarkt bleiben. Auf Basis dieser Ergebnisse und Aussichten sind wir optimistisch für einen wachsenden Musikmarkt und für eine starke Performance unseres Repertoires im Jahr 2019.“

Für Patrick Mushatsi-Kareba, CEO Sony Music GSA, hat „das Ergebnis im Gesamtmarkt 2018 existierende Trends weiter bestätigt: In einem weiterhin diversifizierten Markt fungiert urbane Musik als klare Streaming-Lokomotive, während andere Genres stetig in diesen Verwertungskanal drängen. Die vormals existierenden Trennlinien zwischen lokalem und internationalem Repertoire verwischen zunehmend – für Kreative, Partner und Labels ein absoluter Gewinn. Für die kommenden Jahre ist die Prognose äußerst günstig, da ganze Genres enormes digitales Wachstumspotential haben, an das wir fest glauben. Ebenso werden digitale Verwertungskanäle, seien es nun eigene oder von Partnern, die sich im Spannungsfeld aus Mode, Tech und Musik bewegen, das Ergebnis für die Branche positiv beeinflussen. Gleichzeitig bieten kreative Ideen und Partnerschaften Chancen für den physischen Markt, der mit hochwertigen Produkten seinen signifikanten Anteil am Markt behalten wird.

Konrad von Löhneysen, Managing Director/Head of A&R Embassy of Sound and Media (EOSM) und Sprecher der außerordentlichen Mitglieder im BVMI stellt fest: „Wir sind in Deutschland im Vergleich zu den meisten Märkten natürlich etwas im Hintertreffen, was das Wachstum betrifft. Pro Kopf gesehen ist Deutschland bei der Zahl der Premium Subscriptions noch nicht auf dem Niveau wie zum Beispiel Großbritannien, die USA oder Holland. Kombiniert mit einem deutlich schrumpfenden physischen Markt, von dem wir lange profitiert haben und um den uns viele beneidet haben, entsteht ein stagnierendes Ergebnis. Es bleibt abzuwarten, ob sich die beiden beschriebenen Entwicklungen in 2019 groß ändern. Meine Erwartung ist da eher gedämpft.“