Britischer Anbieter bei neuen Vertriebspartnern

Durch diverse Firmenakquisitionen im vergangenen Jahr hat sich die britische Sanctuary Records Group zu einem der größten Backkatalog-Anbieter neben den Majorfirmen entwickelt.

“Nicht zuletzt durch die Übernahme von CMC und Modern Music haben wir unseren Katalog enorm erweitert, der früher unter dem Namen Castle firmierte und mittlerweile einer der größten im Independent-Bereich ist“, sagt der zuständige Sanctuary-Direktor Roger Semon im Gespräch mit MusikWoche. „Damit haben wir unser Portfolio zeitgenössischer Musik sehr gut abgerundet.“

Um zugleich „auf dem für uns ungeheuer wichtigen deutschen Markt“ vorwärts zu kommen und hier die eigene Position weiter auszubauen, habe man sich bei Sanctuary Ende 2000 auch entschlossen, nach jahrelanger erfolgreicher Kooperation mit edel ab diesem Jahr mit einem neuen strategischen Distributionspartner zu arbeiten. „Zomba ist ebenso wie SPV auf bestimmte Genres spezialisiert und hat dieselben Visionen wie wir“, blickt Semon optimistisch in die Zukunft.

Konzentration auf Rock

„Schwerpunkt unseres Katalogs in Deutschland war schon immer der Rock-Sektor, und hier wollen wir unsere Anstrengungen intensivieren“, erklärt Semon. Für 2001 werde dabei den Katalogen von wichtigen Künstlern wie Helloween, Motörhead, Black Sabbath, Marillion, Emerson Lake & Palmer und Uriah Heep besonderes Augenmerk gewidmet, um sie neu zu aktivieren.

Darüber hinaus würden Frontline-Produkte bei Sanctuary zunehmend an Gewicht und Bedeutung gewinnen. Dies habe wiederum zur Folge, dass frühere Alben von Künstlern wieder herausgebracht und intensiv vermarktet würden, die in nächster Zeit neue Platten herausbringen. Dies gelte in den kommenden Monaten vor allem für die US-Countrysängerin Dolly Parton, den britischen Gitarristen, Sänger und Songschreiber Gary Moore sowie die Metal-Band Megadeth, kündigt Roger Semon an.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden in den nächsten Monaten Semon zufolge allerdings auch die seit den 60er Jahren aktiven Kinks. „Wir bringen demnächst das Album ‚The Songs We Sang For Auntie“ heraus, eine Doppel-CD mit der Chronik von Aufnahmen, die die Kinks zwischen 1964 und 1995 für die BBC eingespielt haben.“ Dafür werde Sanctuary massiv Promotion machen und auch den gesamten Kinks-Backkatalog neu veröffentlichen. Bandleader Ray Davies, der im Februar und im März mit seiner „Storyteller“-Tour in Großbritannien unterwegs ist, habe sich bereit erklärt, bei der Promotion mitzuwirken. „Vor allem in Deutschland wollen wir den Backkatalog neu positionieren.“

Ähnliches gelte auch für Dolly Parton, deren neues Album „Little Sparrow“ dieser Tage erscheine. In diesem Kontext erschienen auch frühere Country-Alben im Sanctuary-Backkatalog von Künstlern wie Gene Autrey, Bobby Bear, Eddie Arnold oder Don Williams neu. Ein Schwerpunkt sei darüber hinaus Gary Moore, dessen neue CD „Back To The Blues“ im März erscheint und den Künstler in dem Genre präsentiert, in dem er am stärksten sei und am besten zur Geltung komme, ist Semon überzeugt.

Im Vinyl-Sektor setze Sanctuary seine Wiederveröffentlichungs-Aktivitäten ebenfalls fort und kooperiere weiterhin mit BMG bei diversen Elvis-Presley-Projekten. „Elvis“ UK Number One Singles“ beschert im März beispielsweise insgesamt 17 Replicas im 7″-Format, die im Original-Design herauskommen. Das sei nur „die Spitze weiterer Elvis-Aktivitäten wie das Album ‚Peace In The Valley‘„, mit denen Sanctuary und BMG an die Erfolge wie die „Sun Singles“ und „Artist Of The Century“ anschließen wollen, die in UK zum Teil mit Mehrfach-Platin ausgezeichnet wurden.

Büro in Berlin neu eröffnet

Auch wenn es zu Beginn des Jahres durch die strukturellen Veränderungen, vor allem durch den Wechsel des Vertriebspartners – für den früheren Castle-Katalog ist Zomba zuständig, für den von CMC sowie der Metal-Label Metal-Is, Noise und T&T hingegen SPV -, in Deutschland möglicherweise zu Anlaufschwierigkeiten kommen könne, sei gewährleistet, dass die Schlüssel-Produkte entsprechend präsentiert werden, versichert Semon mit Nachdruck. Solche Probleme seien bei einem derartigen Schritt unvermeidlich.

Entscheidend sei für Sanctuary aber der mittel- und langfristige Erfolg. Dazu werde vor allem die Neuerung beitragen, dass man nun in Berlin über ein eigenes Büro „mit einem sehr kompetenten und engagierten Management-Team für Deutschland“ verfüge. „Das liefert uns die Grundlage, um die eigene Position auf diesem wichtigen Markt zu maximieren!“