BMG-Jahrestagung 2000

In heimischen Münchner Gefilden traf sich die BMG Entertainment GSA & EE zu ihrer Jahrestagung. Dabei betonte die Leitung ihre Entschlossenheit, „das Unternehmen gemeinsam progressiv nach vorne“ zu führen.

Christoph Schmidt, Geschäftsführer BMG Entertainment GSA/EE, konnte in seiner Eröffnungsansprache den rund 450 Tagungsteilnehmern stolze Zahlen präsentieren: die Konzernmutter Bertelsmann habe im Geschäftsjahr 99/2000 mit einem Gewinn von 2,2 Milliarden Mark das „beste Ergebnis ihrer Unternehmensgeschichte“ erzielt. Auch der Musikbereich des Konzerns, die Bertelsmann Music Group, habe mit weltweit etwa 7 Milliarden Mark Umsatz ein „insgesamt sehr gutes Ergebnis, das beste seit Jahren“ erreicht. Allerdings sei „Umsatzrendite immer noch zu gering, und daran müssen wir noch arbeiten“.

Offenbar mit Blick auf die seit einem entsprechenden Zitat des Bertelsmann-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff im Frühjahr zirkulierenden Spekulationen in der Branche, die BMG werden demnächst einen anderen Major aufkaufen, erklärte Schmidt, bei einem Weltmarktanteil von 15 Prozent bestehe „gar nicht so die Notwendigkeit, einen ganz Großen zu erwerben“, zumal dies auch kartellrechtlich „nicht so einfach“ sei.

In Deutschland erreichte BMG Entertainment mit 803 Millionen Mark Umsatz einen Marktanteil von 18,9 Prozent, und ist damit erfolgreicher als in jedem anderen europäischen Land. Dazu habe auch die gute Arbeit mit einheimischem Produkt beigetragen. So stammten laut Schmidt die erfolgreichsten Singles der Company zu 80 Prozent aus dem nationalen Repertoire. Besonders hob Schmidt allerdings auch den Erfolg der BMG in der Schweiz hervor, wo bei 16 Millionen Mark Umsatz ein Betriebsergebnis von zwei Millionen Mark erwirtschaftet worden sei. Für das Geschäftsjahr 2000/2001 nannte Schmidt drei zentrale Herausforderungen: erstens die Bewältigung der digitalen Revolution, hier sei die BMG auf einem guten Weg. Zweitens die voraussichtlich geringere Anzahl an großen internationalen Releases, ein Handicap, das man durch Kreativität ausgleichen müsse, und drittens den Aufbau eines Europäischen Distributionslagers in Frankreich.

Thomas M. Stein, Vorsitzender der Geschäftsleitung und President BMG Entertainment GSA & EE, verwies in seiner Ansprache darauf, dass sich der Umsatz von BMG Entertainment GSA/EE seit 1990 fast verdoppelt habe. Im Geschäftsjahr 1989/90 habe er noch bei 503 Millionen Mark gelegen, 1999/2000 bereits bei 958 Millionen Mark. Auch er unterstrich die Bedeutung des nationalen Repertoires, aus dem die BMG 53,4 Prozent ihrer Tonträgerverkäufe in Deutschland generiert habe.Ähnlich wie in der Woche zuvor widmete auch Stein einen großen Teil seiner Rede den Herausforderungen durch die digitale Revolution. Das Tagungsmotto „You are the future! Keep the fire burning!“ sei keine Reaktion auf die jüngsten Vorgänge um die Online-Tauschbörse Napster, sondern schon im Januar entwickelt worden.

Im Jahr 2004 werde in Europa der Umsatz des Online-Musikmarkts 1,4 Milliarden US-Dollar betragen, das sei „in Relation zum Gesamtmarkt noch überschaubar“, doch müsse die Musikbranche aufpassen, „dass wir auch künftig in der Lage sind, die Rechte unseres Repertoires digital zu beanspruchen“. Die Tagespresse glorifiziere derzeit Napster, allerdings habe sich die Industrie auch „lange Zeit zu defensiv verhalten, zu sehr auf Legalisierung geschielt anstatt aggressiv nach vorne zu gehen“. Stein bat die Mitarbeiter „auch draußen Fürsprecher für die Urheberrechte unserer Künstler“ zu sein, und konstatierte angesichts der technischen Umwälzungen: „Der Geist ist aus der Flasche – die Elektronik wird uns überrollen, wenn wir nicht mir ihr rollen. Wir sind nicht nur im musikalischen Geschmack die Trendsetter, wir müssen auch in der Technik die Trendsetter sein“. Er sehe die Zukunft für das Unternehmen positiv: „Die Leute wollen unsere Musik als ihr Kommunikationserlebnis!“ Es müsse „immer jemanden geben, der für den Künstler die Aufgabe übernimmt, ihn und seine Werke zu vermitteln“. Es bleibe die Leistung und Aufgabe der Tonträgerfirmen „Künstler optimal im Markt zu platzieren, egal ob als physischen Tonträger, Customized-CD oder Download“. Gerade die Broadband-Technologie werde hier bald aufregende neue Möglichkeiten eröffnen.