“Das wäre schön, dann hätte ich das Dreifache an Verkaufsfläche“, führt Cord Dierking aus. Der Inhaber von aktiv Musik & mehr in Nienburg faxte den Zeitungsausriss mit dem Hinweis „Das glaubt der Endverbraucher!“ an MusikWoche. „Außerdem müssten bei einer Spanne von zwölf Mark nicht so viele Kollegen ihre Geschäfte schließen.“
Die Realität sieht für Dierking anders aus: „Die aktuelle CD von U2 liegt bei einem Listenpreis von 26 Mark – netto. Dieses Produkt müsste ich bei einer anständigen Kalkulation für 42 Mark anbieten. Tatsächlich nehme ich aber 32,90 Mark, denn der Kunde hat bei 30 Mark eine Preisschwelle.“
Wolfgang Orthmayr, Geschäftsführer WOM, rechnet vor: „Wenn wir eine Werteinheit Musik auskalkulieren könnten, müsste das neue Album von Peter Maffay 35 Mark kosten. Dahinter stehen rund 65 Minuten Musik. 1980 war die aktuelle LP von Peter Maffay, ‚Revanche“, gut 40 Minuten lang und kostete 18 Mark bei einem EK von elf Mark und einer Mehrwertsteuer von elf Prozent. Rechnen wir das hoch und noch die Inflationsrate dazu, dann müsste die CD heute bis zu 48 Mark kosten.“
Er macht die Gegenprobe: „Beim Eintritt ins Hallenbad oder einer Kinokarte haben wir seit 1980 mindestens eine Preisverdoppelung. Und der Auszubildende musste 1980 doppelt so lange arbeiten, um sich von seinem Gehalt eine LP zu kaufen, wie er es heute muss, um sich eine CD zu leisten. Daraus folgt: Musik ist zu billig.“
Auch Harald Döscher, Inhaber Soundwind aktiv Musik in Hamburg, meint: „Es wäre gut, wenn wir eine Spanne von zwölf Mark hätten. Im Moment haben wir durch die neuen Deluxe-EKs das Problem, dass wir nicht einmal mit den Hochpreisen im Verkauf auf einen grünen Zweig kommen. Im Grunde müsste ich 40 Mark nehmen, aber das können wir nicht durchsetzen.“
Uwe Naumann vom Musikladen Arlt & Naumann in Leipzig erklärt: „Zwölf Mark verdient niemand mehr. Bei den aktuellen Kampfpreisen ist eine normale Kalkulation nicht mehr möglich.“ Naumann erkennt in Artikeln wie dem der „BamS“ eine Gefahr: „Das Schlimme daran ist, dass die Kunden diese Darstellung glauben. So geht die Preissensibiliät kaputt.‘







