25. Jubiläum von Rough Trade

Vor einem Vierteljahrhundert gründete Geoff Travis einen Plattenladen in London: Rough Trade entwickelte sich zu einem Stück Musikgeschichte. MusikWoche zeichnet die Entwicklung nach.

Zu Beginn des Jahres 1975 wartete der junge Universitätsabsolvent und Musikfan Geoff Travis an einer Bushaltestelle, um zu seinem Referendariatsposten zu gelangen. Als der Bus nicht kam, entschloss er sich, die Haltestelle und seinen Job hinter sich zu lassen. Am nächsten Tag war Travis bereits in Montreal. Er bereiste ein Jahr lang die Vereinigten Staaten und Kanada und kaufte dort hunderte von Schallplatten.

Zurück in London gab er seiner Leidenschaft nach und gründete ein Plattengeschäft. Mit idealistischem Ethos eröffnete er den Rough Trade Shop am 25. Februar 1976 in Notting Hill, einer angesagten Gegend im Westen Londons: „Wir waren ein Kollektiv,“ sagt Travis. „Jeder arbeitete Tag und Nacht und wurde gleich bezahlt. Wir lebten und atmeten nur für unseren Laden.“

Zur selben Zeit schwappte die Punkwelle über London. Und das Geschäft entwickelte sich zu einem Mekka für Leute, die auf der Suche nach raren Independent-Singles und US-Importen waren. Mitglieder von The Clash und den Sex Pistols besuchten regelmäßig den kleinen und bis unter die Decke vollgestopften Laden.

Travis gründete zudem 1977 Rough Trade Records, um der neuen Musik eine Plattform zu bieten. Deshalb verkaufte er 1983 den Shop an drei seiner Angestellten: Pete Donne, Judith Crichton und Nigel House. „Es war eine schwere Zeit für den Shop, weil Geoff sich einfach um zu viel kümmern musste,“ erzählt Donne. „Es bestand sogar die Gefahr, dass wir schließen mussten. Travis war sehr erleichtert, als wir ihm den Laden abnahmen.“ Die drei gemeinsamen Besitzer führen das Geschäft auch heute noch.

Als der Mietvertrag im August 1983 auslief, musste Rough Trade in ein nahe gelegenes Gebäude umziehen. Ansonsten hat sich nur wenig seit den frühen Tagen geändert: „Es ist immer noch ein einmaliges Unternehmen. Wir haben eine spezielle Beziehung zu unseren Kunden. Sie konnten bei uns schon immer die Platten kaufen, die sie woanders nie bekommen hätten“, so Donne.

Für ihn bedeutet der Kult- und Nischenstatus von Rough Trade die Unabhängigkeit gegenüber den Marktschwankungen, gegen die Handelsketten wie Our Price ankämpfen mussten. „Welches andere Plattengeschäft schafft es schon, so seinen 25. Geburtstag zu feiern?“, fragt er. „Wir sind immer noch ein Ausgangspunkt für neue Musik. Und mehr Leute als je zuvor bringen uns ihre CDs und CD-ROMs vorbei.“

Dennoch zeigt sich Rough Trade heute geschäftsorientierter als in den Anfangstagen. Das Mailorder- und Online-Geschäft arbeitet lukrativ, und Donne erklärt, dass sie bei einem Jahresumsatz von rund 1,2 Millionen Pfund einen kleinen Profit erwirtschaften.

Darüber hinaus erweiterte Rough Trade seine Basis: So eröffnete 1987 ein zweiter Laden in London und in den Neunzigern kamen zwei Geschäfte in Tokio dazu. Eine Niederlassung in Paris erwies sich dagegen als Fehlschlag. Donne, Crichton und House planen zudem ein Geschäft in Schottland, aber festes Zentrum ihres Reichs soll der Laden in der Ladbroke Grove bleiben.

Trotz der „furchterregenden und immer weiter steigenden Mietkosten in London“ glaubt Donne, dass Rough Trade auch künftig seinen ikonenhaften Status behalten kann: „Wir haben nie versucht, den Preiskrieg bei Mainstream-Veröffentlichungen mitzumachen. Andere Händler können das tun, wir sind eher mit einem Delikatessengeschäft zu vergleichen. Wir verkaufen die besten Platten und bieten die beste Fachkenntnis.“

Rough Trades 25. Geburtstag wird von einer Serie von Konzerten in London begleitet. Zudem veröffentlicht Mute am 3. März in Großbritannien den Sampler „25 Years Of Rough Trade Shops“, ein Dankeschön des Mute-Chefs Daniel Miller, der 1979 seine erste Single als The Normal, „T.V.O.D./Warm Leatherette“, bei Rough Trade veröffentlichte. Gründer Travis fasst zusammen: „Das Geschäft hilft den Leuten, großartige Musik zu kaufen und zu veröffentlichen. Darum ist es uns immer gegangen.“