Der US-Branche steht eine Preisdebatte bevor. Handelsriese Wal-Mart will künftig alle CDs für weniger als zehn Dollar anbieten. Dabei will der Discounter jedoch kein Verlustgeschäft machen und übt Druck auf die Labels aus. Bereits seit einiger Zeit hat der weltgrößte Einzelhändler eine ganze Reihe CDs zu Preisen von 9,72 Dollar im Regal stehen. Ein Angebot, von dem Wal-Mart zugibt, dass es ein Lockvogel ist. In der Regel bekommen Händler in den USA Alben zum Durchschnitts-HAP von zwölf Dollar, wobei nicht bekannt ist, welche Sonderkonditionen Wal-Mart eingeräumt werden. Künftig sollen alle Alben das 9,72-Dollar-Etikett verpasst bekommen, die Industrie müsse eben ihre Verkaufspreise senken, sollen die Wal-Mart-Einkäufer verlangt haben. Dies berichtet der „Rolling Stone“ in seiner aktuellen Ausgabe.
Bei den Tonträgerfirmen herrsche deshalb Alarmstimmung. Schließlich verkauft Wal-Mart inzwischen fast 20 Prozent aller Major-VÖs im Land. Zusammen mit anderen großen Ketten wie Best Buy und Target kommt man gar auf einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Doch die wirtschaftlichen Abhängigkeiten sind ungleich verteilt: Während kein Vertrieb mehr ohne Key-Accounter für Wal-Mart auskommt, machen Musikverkäufe am gesamten Wal-Mart-Umsatz nur rund zwei Prozent aus. Nun fürchten viele, dass sie aus den Regalen fliegen, wenn sie nicht auf die Konditionen der Handelskette eingehen. Ein namentlich nicht genannter Vertriebsmanager wird im „RS“ mit den Worten zitiert: „Wenn die künftig keine Musik mehr verkaufen wollen, tut ihnen das überhaupt nicht weh. Dieser Gedanke hält mich die ganze Nacht wach.“





