“Kulturförderung wird gekürzt und zunehmend an politisches Wohlverhalten geknüpft, und die Branche bleibt still“, heißt es in einem Statement von Anton Teichmann rund um seinen Verbandsaustritt. Dieses hat er sowohl auf der Website seines Labels Mansions And Millions sowie über Instagram und LinkedIn geteilt.
Eine Gesellschaft, in der nur diejenigen Geld bekämen, „die die ‚richtigen Sätze‘ sagen“, sei keine freie mehr, schreibt Teichmann. Als Beispiel führt er das Bundesministerium für Kultur und Medien an, das drei von einer unabhängigen Jury nominierte Buchhandlungen über das sogenannte Haber-Verfahren durch den Verfassungsschutz überprüfen ließ und sie anschließend von einer Preisliste strich. Zudem seien Mitglieder von Kulturförder-Jurys in Listen erfasst worden – Verfahren, die sich laut Teichmann „jederzeit auf die Musik anwenden“ ließen. Trotzdem rege sich unter den Indies „kaum Widerstand“.
Der Mansions-And-Millions-Inhaber berichtet dann, im März an einem vom Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT) organisierten Treffen mit dem Kulturstaatsminister zum Thema Streaming teilgenommen zu haben, „mitten im Skandal um den Deutschen Buchhandlungspreis“. Er habe dort die drohenden Kürzungen sowie die Angriffe auf die künstlerische Freiheit angesprochen. Und: „Leider war ich der Einzige im Raum, der ein kritisches Wort an den Minister gerichtet hat.“
Aus den eigenen Reihen sei daraufhin – abgesehen von wenigen Ausnahmen – besonders Kritik statt Rückhalt gekommen; Teichmann habe den falschen Zeitpunkt und Ort für seine Kritik gewählt, wie ihm wohl vorgeworfen wurde. Ein weiteres Treffen, zu dem nur noch Verbände geladen gewesen seien, habe vor allem „schöne Fotos für den Minister“ hervorgebracht. Tags darauf sei bekanntgeworden, dass die Popförderung gekürzt werde, während die Bayreuther Festspiele eine Million Euro mehr erhalten sollen.
Teichmann zog an diesem Punkt den Schlussstrich, was er in seinem Schreiben wie folgt begründet: „Ich weiß, wie wichtig kollektives Organisieren ist, aber nicht um den Preis meiner Werte. Bei meinem Austritt habe ich dem VUT all meine Gründe für meine Entscheidung und Sorgen über den Umgang der Politik mit der Indiemusikbranche mitgeteilt. Eine offizielle Antwort darauf gab es nicht. Deshalb gehe ich hiermit an die Öffentlichkeit, weil ich weiter die Hoffnung haben will, dass es irgendwann wieder einen starken und mutigen Branchenverband geben kann, in den ich wieder eintrete.“
Der Beitrag stieß in den sozialen Medien auf Zustimmung mit bislang 490 Likes auf Instagram. Hinzu kommen Kommentare wie „Sehr wahr alles“ von Clouds-Hill-Chef Johann Scheerer oder „Weimer weiterhin die Hand schütteln, während viele Artists bereits Repressionen erleiden, ist wie ein Messer in den Rücken gerammt bekommen von den ‚eigenen Leuten'“, wie die Indie-Künstlerin Maidline Aurie schreibt.
Doch auch Widerspruch ist nicht fern: Mario Graute, Geschäftsführer von PRO Musik, kommentiert etwa: „Kann ich gar nicht nachvollziehen, was du über den @vut.de schreibst. Seit 2011 habe ich mit denen zu tun und sie waren stets laut und klar in ihren Positionen. Auch jetzt übrigens, bei den BKM-Kürzungen.“ Graute fügt an: „Klar, man kann hier schnell bei Insta liken und damit seinen Protest ausdrücken. Ein Herz und man ist auf der ‚richtigen Seite‘. Aber Solidarität, die ja nun ach so häufig in der Musikszene gefordert wird, könnte sich auch mal darin ausdrücken, den Verbänden den Rücken zu stärken, statt auf sie einzudreschen.“






