Am 19. Oktober 2026 hat der US Supreme Court darauf verzichtet, den Fall um die weltweite Rückholung von Songrechten zu prüfen. Damit bleibt ein Urteil des Fifth Circuit bestehen, wonach US-Autor:innen über das Kündigungsrecht auch Rechte außerhalb der USA zurückerlangen können. Das US-Urheberrecht erlaubt es, einst abgetretene Rechte nach 56 Jahren (bei Werken vor 1978) beziehungsweise nach 35 Jahren (bei späteren Werken) zurückzufordern. Bislang galt dies in der Branche als auf die USA beschränkt.
Der Streit dreht sich um „Double Shot (Of My Baby’s Love)“, das 1962 von Cyril Vetter und Donald Smith geschrieben wurde. 1963 traten sie ihre Rechte für einen Dollar an Windsong Music Publishers ab. Vetter kündigte die Abtretung im Jahr 2019, welche am 3. Mai 2022 wirksam wurde. Resnik Music Group, die Windsong 2019 übernommen hatte, beanspruchte jedoch weiterhin 25 Prozent der Rechte an dem Song. Ein Bundesgericht in Louisiana erklärte Vetter im Januar 2025 zum alleinigen Eigentümer der Rechte weltweit; der „Fifth Circuit“ bestätigte dies am 12. Januar 2026.
Im März 2026 erwarben mehrere Verlage den von Resnik beanspruchten Anteil, um das Verfahren vor den Obersten Gerichtshof zu bringen. Mit von der Partie waren Capitol CMG (Universal), Essential Music Publishing (Sony), Warner-Tamerlane Publishing (Warner) und BMG Rights Management. In ihrer Petition argumentierten sie, das Urteil habe „50 Jahre Branchenpraxis“ erschüttert.
Zu einer inhaltlichen Prüfung kam es jedoch nicht. Laut Gerichtsbeschluss nahmen die Richter:innen Sonia Sotomayor, Neil Gorsuch, Amy Coney Barrett und Ketanji Brown Jackson nicht an der Beratung und der Entscheidung teil; einen Grund nennt der Beschluss nicht. Mit den verbleibenden fünf Mitgliedern fehlte das für eine Beschlussfassung nötige Quorum von sechs. Da der Fall nicht in der nächsten Sitzungsperiode entschieden werden könne, musste das Gericht das Urteil bestätigen, mit derselben Wirkung wie bei einem Stimmenpatt. „Music Business Worldwide“ weist darauf hin, dass BMGs Muttergesellschaft Bertelsmann auch Penguin Random House gehört, wo Bücher aller vier Richter:innen erschienen sind.
Das Urteil bindet nun die Bundesgerichte im Zuständigkeitsbereich des Fifth Circuit. Ein bundesweiter Präzedenzfall entsteht jedoch nicht, da Gerichte anderer Bezirke anders entscheiden könnten. Auch die Durchsetzung außerhalb der USA könnte schwierig werden. Die Reed-Smith-Partner Nick Breen und Joshua Love hatten argumentiert, dass ausländische Gerichte und Verwertungsgesellschaften ihr jeweiliges nationales Recht anwenden könnten.
Die Songwriters Guild of America zeigte sich erfreut. Präsident Rick Carnes erklärte, man sei „begeistert und dankbar“. Zudem betonte er: „Jeder Versuch, dieses Präzedenzurteil zu kippen, wird mit ähnlichem Nachdruck beantwortet werden.“






