Recorded & Publishing

Sony Music Domestic zehn Monate nach dem Start zufrieden

Rund zehn Monate sind seit den Umbauten bei Sony Music Germany vergangen. Eine Zeit, in der sich speziell die Abteilung Sony Music Domestic entwickeln konnte. Im Gespräch mit musikwoche.de ziehen Managing Director Boris Löhe und Label-Koordinatorin Tessy Schulz eine Zwischenbilanz.

Nach der Neustrukturierung von Sony Music in die Bereiche International (SMI) und Domestic (SMD) im April 2002 lag ein besonderes Augenmerk auf der nationalen Abteilung, konnte sich International doch immer auf Charts-Schwergewichte wie Shakira, J.Lo oder Celine Dion verlassen. Das nationale Repertoire hatte es im Vergleich dazu bei Sony Music in der Vergangenheit eher schwer. Dennoch blickt Managing Director Boris Löhe mit Zufriedenheit auf das Erreichte zurück. Das Umsatzverhältnis von SMD zu SMI schwanke derzeit zwischen 20:80 und 30:70. „Die Idealvorstellung wäre natürlich eher 50:50. Das heißt, wir haben noch Arbeit vor uns“, so Löhe. Er tritt dem Eindruck entgegentritt, die meisten SMD-Erfolge kämen von assozierten Labels wie X-cell, Four Music oder Home Records GmbH: „Wir konnten auch mit Acts wie Mia., Laith Al-Deen, International Pony, Oli.P, Kai Tracid oder Brooklyn Bounce punkten.“ Zudem mache SMD keinen Unterschied zwischen Eigen-Signings und Lizenzprodukten: „Unsere Philosophie ist da ganz klar: Veröffentlichungen von Dritt-Labels werden bei uns genauso behandelt, als wären sie von uns selbst. Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass sich Lizenzlabels oftmals zurückgesetzt fühlen, wenn sie in bestehende A&R-Strukturen bei Majors eingebunden werden.“ Deshalb sei die Konstruktion mit einer Koordinationsstelle für die assoziierten Labels so wichtig. Diese leitet Tessy Schulz, die dabei von drei Kollegen unterstützt wird. „Trotz der schlechten Marktlage sitzen bei uns alle mit Feuereifer an ihrer Arbeit“, erklärt sie. „Ich bin erst seit drei Jahren im Musikgeschäft, und seitdem spricht die Branche von der Krise. Das darf dich aber im Alltag nicht daran hindern, gute Arbeit abzuliefern.“

Trotzdem die Labels, die Schulz betreut, für einen verwertbaren Repertoire-Fluss sorgen, sieht Löhe die Aufgabenstellung klar definiert: „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass der Künstlerstamm des Hauses auch nach dem Ende der Zusammenarbeit mit einzelnen Lizenzlabels ertragssicher bleibt. Ein paar valide Acts konnten wir ja aus dem bestehenden Repertoire übernehmen. Und alles, was wir bisher unter Vertrag genommen haben, macht Sinn für uns.“ Dabei bleibt Epic weiter für die „schnell drehende“, massenkompatible Ware zuständig, während Columbia mit seinen Künstlern längerfristig planen darf. Bei Epic ist demnächst mit Veröffentlichungen von French Affair und Mr. President zu rechnen. Columbia setzt in den kommenden Wochen auf Platten von Uncle Ho, Such A Search, Delaware, Sencere, Mundstuhl und den Soundtrack zu „Anatomie 2“. Zudem konnte sich SMD Heather Nova für den GSA-Bereich sichern.

Dennoch überlegt Löhe, wie er am besten neue musikalische Trends durchsetzen kann: „Ich mache mir keine Sorgen um das musikalische Talent in unserem Kulturraum. Vielmehr sorgt mich die Qualität der A&Rs. Die letzten zehn Jahre waren geprägt von einer ‚Track-Kultur‘. A&R-Manager haben sich zum Teil nur darüber definiert, welches der ihnen zugelieferten vorgefertigten Bänder sie nun übernehmen sollen.“ Das habe aber nichts mit A&R-Arbeit zu tun, findet er. „Mit dem Auffinden eines musikalischen Talents geht die Arbeit doch erst richtig los. Man muss es prägen, ein Image finden, Songs aussuchen, gemeinsam einen Stil entwickeln. Das ist ein eigenes Berufsbild, das einer gewissen Persönlichkeit und einer Ausbildung bedarf. In Deutschland wird es eher schwer, die richtigen Leute zu finden.“ Darum sei Löhe froh, Mitarbeiter wie Ralf Kotowski (Columbia) und Volker Neumüller (Epic) zu haben. „Die lassen sich nicht davon verunsichern, wenn man ihnen keinen fertigen Hit auf den Tisch legt.“