Die von der Bundesregierung ab Januar 2005 geplante Steigerung der Künstlersozialabgabe von 4,3 auf 5,8 Prozent bringt Konzertveranstalter Berthold Seliger, Betreiber der gleichnamigen Konzertagentur, auf die Palme. Die Maßnahme führe unausweichlich zu teureren Ticketpreisen und geringeren Gagen für Nachwuchskünstler.
Die zum Jahreswechsel vorgesehene Erhöhung ist für Seliger nur die Spitze des Eisbergs. Wie der Agenturbetreiber in einer Presseerklärung mitteilt, erhöhte die Bundesregierung seit ihrem Amtsantritt 1998 den Abgabesatz im Bereich Musik sukzessive von 1,6 über 4,3 auf künftig 5,8 Prozent – für den renommierten Veranstalter eine „skandalöse Steigerung“. Die Vereinheitlichung der Sätze von Musik, Wort, bildender und darstellender Kunst im Jahr 2000 habe dazu geführt, dass „der Musikbereich die anderen Branchen mittlerweise quersubventioniert.“
Die neuerliche Erhöhung der Abgabe stellt für Seliger nicht nur „eine weitere Behinderung der Künstler- und Konzertagenturen“ dar. Wenig wünschenswerte Auswirkungen kämen auch auf Konzertbesucher und Künstler zu. „Bei Konzerten erfolgreicher Künstler und Bands, die ohnehin viele Tickets verkaufen, wird die Erhöhung der Künstlersozialabgabe auf die Ticketpreise weitergegeben.“ Bei Konzerten von weniger bekannten Bands oder Newcomern seien solche Steigerungen indes nicht durchsetzbar. Wenn diese Veranstaltungen aber zu bisherigen Preisen durchgeführt werden, bedeutet dies laut Seliger, dass „die Gagen für die kleineren Bands und Newcomer sinken müssen“, um die Anhebung des Abgabesatzes zu finanzieren. „Die Folge: gerade neue Bands, um deren,soziale Situation‘ Politiker wie Claudia Roth oder Antje Vollmer im Zuge der unsäglichen Quotendiskussion noch Krokodilstränen geweint haben, werden mit noch geringeren Einnahmen konfrontiert werden“, so Seliger.
Er bezeichnet die Anhebung der Künstlersozialabgabe als „Ohrfeige für jeden Musikliebhaber hierzulande“. Seligers Fazit lautet: „Die rot-grüne Bundesregierung, die zu ihrem Amtsbeginn noch vollmundig die Förderung von Kunst und Kultur angekündigt hat, hat längst schlapp gemacht und sich aus jeder konstruktiven und sinnvollen Kulturpolitik verabschiedet“. Auch der Verband der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD) hatte kürzlich die geplante Anhebung der Abgabe in einem Beschwerdebrief an die Bundesregierung scharf kritisiert.




