“Wir bekommen inzwischen Bestellungen von Händlern abseits der Großstädte“, erklärt Public-Vertriebschef Michael Ratelbeck. „Das ist plötzlich eine ganz andere Herausforderung, die uns gleichwohl zeigt, dass diese Händler ‚auf dem flachen Land“ großes Interesse an unserem Repertoire haben.“ In der Vergangenheit hatte PP Sales zunehmend Schwierigkeiten, die einstigen Nischenprodukte abseits der Trendläden im Handel zu platzieren. Die Zusammenarbeit mit den Dienstleistern Soulfood (Vertrieb, Verkauf) und der SoLog AG (Logistik, Lagerhaltung) soll das künftig ändern. Das bietet Künstlern eine Alternative zum Wechsel ins Major-Lager, findet Ratelbeck. Als Marketing- und Vertriebspartner von Independent-Firmen wie Compost, Wagram, JCR, Pschent, Mole oder !Ya Basta! war PP Sales jahrelang am Aufbau von Labels und Acts beteiligt. Seitdem Themen wie das Debütalbum von Jazzanova, das Gotan Project oder Compilationreihen wie „Glücklich“ oder „Future Sounds Of Jazz“ weltweit Absatzzahlen im sechsstelligen Bereich erzielen, sieht PP Sales Handlungsbedarf für die Optimierung der deutschen Vertriebsaktivitäten. „Um der wachsenden Marktrelevanz dieser Produktionen Rechnung zu tragen, hätten wir unseren Arbeitsfokus zu sehr daraufhin kanalisieren müssen. Oder – wie das früher Usus war – die Themen an einen Major weiterreichen müssen“, so Ratelbeck. Er wolle den „wachsenden Pflänzchen“ ein Vertriebsumfeld bieten, das problemlos 100.000 Einheiten bewegen kann – auch ohne Major im Rücken.
Innerhalb der bisherigen Strukturen stieß PP Sales dabei jedoch schnell an die Grenzen: Als etablierter Trendvertrieb erreicht die Firma nur mühsam die größeren Handels-Outlets. Die nichtexklusive und auf bestimmte Produkte begrenzte Zusammenarbeit mit Soulfood schafft da Abhilfe: Mit Außendienst und Telesales bestückt Soulfood auch die großen Märkte, Tankstellen und Supermärkte (über den Großhändler Jora) und verschafft PP Sales somit derzeit eine um rund 20 Prozent erhöhte Marktabdeckung. Ähnliche Abkommen mit weiteren Vertriebsdienstleistern hält Ratelbeck deshalb für machbar. Da sich ein derart vernetztes Arbeiten für PP Sales nur bei den Verkaufsschlagern aufdrängt, bleiben der Vertrieb von Nischenprodukten und der Export weiterhin das Kerngeschäft des Unternehmens. Einzige Neuerung: Die Warenhaltung, Logistik und das Fullfilment übernimmt immer öfter die Kölner Solog AG. Selbst bei Themen, die an Soulfood und über deren Verbindung zur Auslieferung bei Sony Music verlagert wurden, kommt die Ware aus dem Lager am Butzweilerhof. Einzig der Vinylvertrieb – von je her die stärkste Domäne bei Public – verbleibt in Hamburg.
Damit sieht Ratelbeck den Wandel von einem Indie-Vertrieb hin zu einem Marketing- und Promotionpartner für Trendlabels weiter fortschreiten. Und auch der Erfolg stellt sich deutlicher messbar ein: Mit „In Between“ von Jazzanova verbuchten PP Sales und JCR den ersten Charts-Einstieg in der Firmengeschichte (KW 21 auf Platz 73).






