Recorded & Publishing

Promotion im schwul-lesbischen Umfeld

Die schwul-lesbische Szene, die derzeit ihre Paraden zum Christopher-Street-Day feiert, wird bislang meist als Nischenthema wahrgenommen. Für erfolgreiche Musik-Promotion in diesem Umfeld ist dabei Glaubwürdigkeit nötig.

Die Agentur pop-out richtet etwa ihren Fokus auf die schwul-lesbische Szene. pop-out ist an das Treibhaus Musikmanagement von Leonie Lorenzen und Ulf Leo Sommer angeschlossen, unter deren Fittichen auch Rosenstolz steht. Die musikalische Abweichung der Szene vom Mainstream charakterisiert pop-out-Agent Roberto Monden: „Zum einen wird in der Szene Pop und Schlager gelebt und zelebriert. Die Community sucht nach Idolen und Leitfiguren, denen sie über Jahre hinweg tiefe Treue entgegen bring. Zum anderen setzen Schwule und Lesben Trends, da sie Neues und Schräges schneller aufgreifen.“ Über die Präsenz in homosexuellen Print-, Radio- und Online-Medien stellt pop-out die Verbindung zur Szene her. Über diese Special-Interest-Kanäle spreche die Industrie eine bis ins hohe Alter aktive und konsumfreudige Zielgruppe an. Mit ihren in mehreren Divisionen unterteilten Szene-Pools verfügt die Agentur über die Grundlage für eine zielgerichtete Bemusterung, die in den Clubs, Diskotheken oder sonstigen Lokalitäten des schwul-lesbischen Lebens ansetzt. Schließlich entwickelt und organisiert pop-out Special Events: So finden in den nächsten Wochen exklusive Premieren der neuen Rosenstolz-Single, „Macht Liebe/Sternraketen“ (Polydor, VÖ: 19. August), in ausgesuchten Clubs statt, bevor zum Albumrelease von „Macht Liebe“ im September Pre-Listening-Parties in 30 deutschen Städten über die Bühne gehen.

Zu den Christopher-Street-Day-Paraden in Berlin, Köln und Dresden unterstützt pop-out außerdem Rosenstolz-Fanwagen mit Gestaltungsideen und Dekomaterialien. Als besondere Herausforderung bezeichnet Monden die pop-out-Aktivitäten für die No Angels, da die Formation nicht dem Geschmack der Zielgruppe entsprach. Ulf-Gunnar Switalski, Geschäftsführer der Agentur für homosexuelle Kommunikation Sisters & Sons, bescheinigt der Szene teils hohes Trendbewusstsein, wobei homosexueller Mainstreamgeschmack weltweit ähnlich sei. Auch Sisters&Sons setzt über den Pride Pool, in dem fast 400 DJs und Clubs vertreten sind, auf zielgerichtete Promotion. Hauptprojekt derzeit ist im Auftrag von V2 die britische Formation Liberty X.

Der Musikindustrie, der Switalski einen aufgeschlossenen Umgang mit der Zielgruppe bescheinigt, empfiehlt er eine gezielte Strategie: „Atlantic richtete vor einigen Jahren ein Gay-Department ein. Und in Großbritannien ging die Industrie mit Boy-Bands wie Take That direkt in die Szene.“ Die Szene wolle als demographische Gruppe wahrgenommen werden. Dies sei auch ein Stück auf dem Weg zur Normalität im gesellschaftlichen Umgang.