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popNRW-Preis für Boondawg und Patina Records

Bereits das 15. Mal wurde am Abend des 7. Oktober der popNRW-Preis vom NRW KULTURsekretariat und dem Landesmusikrat NRW verliehen. Wie schon im letzten Jahr fand die Preisverleihung im Rheingoldsaal der Düsseldorfer Rheinterrasse im Rahmen des New Fall Festivals statt. Ausgezeichnet wurden das Dortmunder Kollektiv Patina Records als Newcomer und Boondawg in der Kategorie Outstanding.

Den Abend eröffnete die Outstanding-Gewinnerin von 2023, Philine Sonny, mit einem kleinen Akustik-Set. Anschließend stellte sich die Grünen-Politikerin und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur den Fragen von Tamara Güçlü, die als Moderatorin durch den Abend führte. Neubaur sprach sich für die Indie-Szene aus und kritisierte die Ausnutzung der Unterhaltungsbranche durch große Konzerne. Sie betonte, dass sie diese Entwicklung sehr kritisch sehe. Gleichzeitig spielten die Backstreet Boys am selben Abend ihr letztes von zehn Konzerten in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena.

Wörter wie „in diesen zunehmend prekären Zeiten“ zogen sich durch den ganzen Abend. Schrumpfende Fördertöpfe, viele Tournee-Absagen und die Angst vor der (kultur-)politischen Entwicklung waren Themen auf der Bühne. Moderatorin Tamara Güçlü ermahnte: „Unterhaltungsmusik ist toll, aber wir brauchen auch Musik mit Haltung!“

Statt der 30 Nominierten des letzten Jahres waren es dieses Jahr nur noch 15. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass eine „qualitativ hochwertigere Selektion“ stattfinden solle, die „zugespitzter verteilt“ werde. Als nominierter Act erhält man bereits Zugang zu weiteren Fördermöglichkeiten von popNRW, unter anderem zu Tourförderung oder internationalen Showcase-Auftritten.

In der Kategorie „Newcomer“ gewann das Dortmunder Kollektiv Patina Records den mit 2500 Euro dotierten ersten Preis. Direkt im Anschluss an die Preisverleihung spielte Patina Records noch drei Titel. Mit ihrer Bühnenpräsenz füllten sie den Saal bis in den hintersten Winkel und spätestens ab dem zweiten Song waren die „Hip-Hop-Hände“ in der Luft.

Dürfen sich als Newcomer freuen: Patina Records. Foto: Mathilda Noelia

Den zweiten Preis in dieser Kategorie erhielt die Düsseldorfer Solokünstlerin Thunder Bae, die sich zwischen elektronischer Musik, Indie-Rock, Pop und Trap bewegt. 2026 erschien ihr Debütalbum „A Woman“. Als Sachpreis erhält sie ein Merchandise-Paket im Wert von 1000 Euro und eine Co-Creation-Session von Die Hehlerei. Hinzu kommt ein Bandcoaching im Rahmen des Pro-Musik-Programms „Artist Elevator“.

Rang zwei bei den Newcomern: Thunder Bae. Foto: Mathilda Noelia

In der Kategorie „Outstanding Artist“ zählen unter anderem „exzellente musikalische Qualität, Bühnenpräsenz und Entwicklungspotenzial“ zu den Bewertungskriterien. Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis erhielt der in Düsseldorf-Garath aufgewachsene Rapper Boondawg. Er verbindet Rap mit einer eigenständigen musikalischen und visuellen Ästhetik.

Nahm 10.000 Euro mit nach Hause: Boondawg (Mitte). Foto: Mathilda Noelia

Hervorgehoben wurden dabei seine Offcult-Kampagnen, die den Kunstgedanken in Artwork, Visuals, Storytelling und weiteren Bereichen maximieren. Die Laudatio hielt die Journalistin, Moderatorin und Podcasterin Anna Kravčíková (Cosmopolitan, 1Live, Deutschlandfunk Nova). Sie bezeichnete Boondawg als „Düsseldorfs erfolgreichsten Export seit Farid Bang“. Außerdem habe sie mit Gewinner:innen der Vorjahre gesprochen. Dabei sei ihr besonders im Gedächtnis geblieben, dass diese auch wegen der Förderung und des Preisgeldes eine „Tour spielen konnten, ohne sich zu verschulden“.

Mona Neubaur überreichte den Preis und rief den Preisträger:innen zu: „Große Popmusik beginnt klein: in Düsseldorf-Garath, in der Dortmunder Rap-Szene, im Club um die Ecke. Solche Orte hat Nordrhein-Westfalen viele.“ Anschließend präsentierte Boondawg drei Titel auf der Bühne.

Den zweiten Platz in dieser Kategorie belegte Taroug. Hinter dem Projekt steht der Düsseldorfer Musiker und Produzent Tarek Zarroug, dessen Musik elektronische Sounds und experimentellen Pop mit komplexen rhythmischen Strukturen verbindet. Als Sachpreis erhält er von Unleash e. V. ein Physical- und Mental-Performance-Package mit zehn individuellen Sessions im Wert von 2.000 Euro. Auch Taroug bekommt ein Bandcoaching im Rahmen von Artist Elevator. Zudem erhalten alle fünf Nominierten in dieser Kategorie eine Jahresmitgliedschaft bei ProMusik.

Zweitplatzierte Taroug mit Ella Rohwer von Pro Musik. Foto: Mathilda Noelia

Das NRW KULTURsekretariat stellte mit der neuen Förderung „popNRW Live“ eine konkrete Perspektive für die Nominierten vor. Für Auftritte ab dem 1. Januar 2027 können Spielstätten und Veranstalter:innen aus den Mitgliedsstädten des NRWKS sowie Einrichtungen des LVR die Gagen nominierter Acts mit bis zu 80 Prozent fördern lassen. Die Antragstellung soll voraussichtlich ab November 2026 auf nrw-kultur.de möglich sein. Die Förderung ist für die Jahre 2027 und 2028 geplant.

Die Mittel stellt das NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft bereit. NRWKS-Direktorin Vera Schöpfer erklärte: „Hier im Land gibt es so viele tolle Acts und spannende Spielstätten. Mit popNRW Live können sie sich leichter finden und Auftritte werden finanzierbarer.“ Sie betonte: „Klug genutzt kann ‚popNRW Live‘ ein Turbo für eine Tour durch NRW sein.“