musikwoche.de: Viele Plattenfirmen verzeichnen derzeit herbe Verluste. EMI Music Publishing dagegen hat im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von vier Prozent erzielt sowie einen konstant hohen Gewinn. Kann sich ein Musikverlag abkoppeln von einem Negativ-Trend, wie er derzeit in der Branche herrscht? Peter Ende: Nicht nur ein Verlag, sondern auch eine Plattenfirma kann sich vom Trend abkoppeln, wenn sie erfolgreich arbeitet. In dem Moment, wo man die Hits und die richtigen Konzepte hat, wird man immer in der Lage sein, besser zu operieren als der Markt. Wir hatten in den vergangenen Jahren zum Glück permanent die Möglichkeit, uns vom Markt abzusetzen. Ich führe das zurück auf eine konsequente, langfristig angelegte Arbeit.
mw.de: Gibt es eine Art Erfolgsrezept? Ende: Man muss sein Ohr am Markt haben und die Trends aufspüren. Ich halte sehr viel von einem konstanten Team. Es geht viel Kraft verloren, wenn man sich ständig damit beschäftigt, intern umzustrukturieren anstatt sich darauf zu konzentrieren, mit den Leuten, die vorhanden sind, die Aufgaben zu bewältigen.
mw.de: Wieviele Mitarbeiter hat EMI Music Publishing Germany derzeit? Ende: Zur Zeit haben wir 35 festangestellte Mitarbeiter.
mw.de: Wie ist die Struktur angelegt? Ende: Eingangstür und Herzstück des Hauses ist die A&R-Abteilung zusammen mit der Copyright-Abteilung. Dann geht es rüber zur Auswertungsabteilung, die die neuen Signings vermarktet, sprich Titel und Künstler zusammenbringt, um Aufnahmen zu erzielen. Dann geht es weiter in den Synchronisationsbereich; dort werden Werbekampagnen und Filmproduktionen akquiriert. Ein Bereich, der seit Jahren bei uns überproportional wächst. Angegliedert an den kreativen Bereich, jedoch selbständig operierend ist die Abteilung Library Music, die speziell für Industrie- und Fernsehfilme produzierte Musik auswertet. Der Royalty-Bereich rechnet ab. Der Kreis schließt sich mit der Buchhaltung.
mw.de: Wieviele A&R-Manager beschäftigen Sie? Ende: Sieben festangestellte A&R-Manager. Wobei durch den Aufbau, der seit Jahren betrieben wird und der ein bundesweites Netz an Editionären vorweisen kann, sich eine Potenzierung auf über 100 Mitarbeiter ergibt. Qualifizierte A&R-Manager kann man nicht genug haben. Für mich bedeutet A&R nicht nur, Mitarbeiter im Haus zu haben, sondern auch auf Betreiber der Editionen zurückgreifen zu können. Wir schließen sowohl mit Komponisten und Textern Verträge ab, sowie auch mit Produzenten, Studioinhabern, Marketingexperten und Leuten, die über gute Kontakte in der Musikszene verfügen. Auch über solche Vertragspartner binden wir Autoren an uns – bisher ein guter Weg, um flächendeckend arbeiten zu können.
mw.de: Sollte ein Autor eher bei einem Verlag anklopfen oder bei einer Plattenfirma? Ende: Bei einem Verlag. Dort ist er besser aufgehoben. Ich glaube, dass ein Verlag eher bereit ist, Songs in einem sehr frühen Stadium zu beurteilen und zu entscheiden, ob z.B. in Demos investiert wird. Im Grunde genommen ist es die Aufgabe des Verlages, in einem frühen Stadium mit Kreativen zusammenzuarbeiten und die Werke den Auswertern wie Tonträgerfirmen, Filmproduzenten oder Werbetreibenden in einer vernünftigen Form zu präsentieren.
mw.de: Hat ein Verlag wie EMI Music Publishing Zeit, sich auch um die „kleinen“ Autoren zu kümmern? Ende: Ja, wer mit uns einen Vertrag hat, um den kümmern wir uns. Wer eine breite und weltweite Auswertung seiner Songs anstrebt, ist bei einem grossen Verlag besser aufgehoben. Ich halte nichts davon, dogmatisch zu sagen, dass der Independent per se kreativer ist. Letztlich sind es die Personen dahinter, die den Autoren Möglichkeiten bieten. Ich habe ein gutes Gewissen. Egal ob kleiner Autor oder grosser Autor – bei uns zählen die Qualität des Titels und dessen Vermarktungschancen.
mw.de: Nehmen Sie selbst noch Künstler unter Vertrag? Ende: Selbstverständlich. Ich komme aus dem A&R-Bereich und solange ich noch eine Gänsehaut bekomme, wenn ich einen guten Titel höre, weiss ich, dass ich dort gut aufgehoben bin. Im Prinzip bin ich nach wie vor unter anderem A&R-Manager. Natürlich nehmen meine anderen Aufgaben im Unternehmen oder etwa bei der GEMA Zeit in Anspruch. Aber das, was mir den meisten Spass bereitet in diesem Beruf, ist die A&R-Arbeit.
mw.de: Wieviele Songs verwalten Sie derzeit? Ende: Der Gesamt-Katalog von EMI umfasst derzeit rund 1 Million Titel.
mw.de: Wieviele Signings konnten Sie im vergangenen Jahr dazugewinnen? Ende: Wir führen darüber keine genauen Statistiken, aber es gibt laufend neue Verträge. Der Stamm, mit dem wir zusammenarbeiten sind rund 120 Autoren. Sichtbare Charterfolge erzielt eine relativ überschaubare Gruppe, die etwa zehn bis 15 Kreativzellen umfasst. Der Katalog in Deutschland wächst um rund 500 nationale Titel im Jahr. Zusätzlich dazu kommen die Titel aus dem Ausland.
mw.de: Branchenexperten messen den Verlagen künftig eine wachsende Bedeutung zu. Einige sprechen sogar, wenn sie von Verlagen reden, von der „Plattenfirma der Zukunft“. Was halten sie von der Prognose? Ende: Das ist zu pauschal gesprochen. Ich denke eher, eine gute Plattenfirma wird sich daran gewöhnen müssen, wie ein Verlag zu operieren. Dadurch gleicht sich das Bild an. Eine Plattenfirma, die sich neu orientieren will, sollte sich die Arbeitsweise eines Verlages anschauen. Auch sie wird ihr Repertoire über andere Vertriebsschienen transportieren müssen als ihre eigenen, und sich somit den Praktiken eines Musikverlages annähern.
mw.de: Bedeutet dies, dass eine Plattenfirma ihre Künstler, ähnlich wie ein Verlag, mehreren Unternehmen anbieten sollte, so wie das die meisten grossen Musikverlage ebenfalls tun? Ende: Vielleicht, aber sicher ist, dass die Plattenfirma die Auswahl zwischen verschiedenen Vertriebskanälen hat. Möglicherweise ist der eine Künstler besser geeignet, sich über Handys vertreiben zu lassen, ein anderer eignet sich eher für das Internet und dessen Möglichkeiten. Auch Schallplattenfirmen haben mittlerweile Abteilungen, die sich beispielsweise darum bemühen, ihre Künstler in Werbekampagnen unterzubringen, wobei das schon wieder ein eher traditioneller Ansatz ist. Jetzt geht es darum, Titel unter anderem als Ruftonmelodien zu verkaufen. Und um die Frage: Wollen die Plattenfirmen das selber machen oder mit anderen kooperieren?
mw.de: Das klingt selbstverständlich. Ende: Das ist es, und meistens sind die richtigen Dinge relativ einfach.
mw.de: Waren die Plattenfirmen bislang zu stark auf die Auswertung über Tonträger fixiert? Ende: Ich denke, die Plattenfirmen waren in bezug auf die Vertriebswege einige Zeit lang in einem Dilemma, weil sie verhindern wollten, dass der traditionelle Handel einbricht. Das hat die Entwicklung unnötig gelähmt.
mw.de: Also wäre es zu weit gegriffen, wenn man sagt, dass sich eine Plattenfirma künftig auf Marketing und Promotion konzentrieren sollte? Ende: Das ist ein Wunschdenken und wurde teilweise von einigen Vertretern meiner Berufszunft provozierend in die Runde geworfen. Ich denke, dass eine Plattenfirma weiterhin produzieren wird und im Prinzip ihre Funktion beibehalten soll. Sie wird sich nur vertrieblich anders, nämlich breiter orientieren müssen.
mw.de: Fischen Verlage und Plattenfirmen und deren A&R-Manager nicht im selben Teich? Ende: Ich habe das Gefühl, dass die Talentsuche im Schallplattenbereich eher passiv abläuft und dass man auf das wartet, was fertig produziert auf den Tisch kommt. Ich vermisse den originären A&R-Ansatz bei den Plattenfirmen sehr. Heute geht es mehr um Repertoireeinkauf und -vermarktung. Aber A&R heisst mehr als nur einkaufen: nämlich, sich in den kreativen Prozeß konkret einzubinden und mitzuwirken, die Themen auf ein anderes Niveau zu bringen. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass nichts eingekauft wird, was nicht weitestgehend fertig produziert ist. Bestenfalls wird eine Verbindung zu einem Remixer hergestellt.
mw.de: Alex Christensen hat mal provokativ formuliert, dass er keine A&R Manager kenne. Ende: Was den Tonträgerbereich betrifft, bin ich mit ihm einig.
mw.de: Hat die Branche ein A&R-Problem? Ende: Sie hat ein kreatives Problem und damit ein A&R-Problem.
mw.de: Ist der klassische A&R-Manager, der sich in der Szene bewegt, ausgestorben? Ende: Es gibt sie schon, aber sie werden nicht gerade gefördert. Ich glaube, Schallplattenfirmen sind in einer Situation, in der sie kurzfristig Erfolge erzielen müssen. Grösstenteils sind sie als Aktiengesellschaften organisiert, die Jahr für Jahr Umsatz- und Gewinnsteigerungen vorweisen müssen. Das ist im Prinzip vollkommen richtig, aber dadurch geht die Langfristigkeit verloren. A&R-Arbeit ist aber langfristig und nicht kurzfristig anzusetzen. Wenn Mitarbeiter angehalten werden, kurzfristig orientiert zu arbeiten, werden ihre zweifelsohne vorhandenen Talente nicht richtig gewürdigt und eingesetzt. Dann arbeiten A&Rs quasi als Lektoren, die sagen: „Möchte ich dieses Buch veröffentlichen, ja oder nein, und wenn ja, mit welchem Aufwand“.
mw.de: Wie lange bleibt ein Autor bei EMI Music Publishing durchschnittlich? Ende: Zwischen sechs und zehn Jahren, manche sind auch schon seit 20 Jahren dabei. Die Autoren bekommen die Zeit, sich zu entwickeln, sind aber auch angehalten, Titel zu liefern. Wir haben als Verlag eine wesentlich breitere Möglichkeit, Titel anzubieten. Jeder Autor hat die Chance, weltweit mit jedem Künstler zusammenzuarbeiten. Tonträgerfirmen sind da eingeschränkter, da sie diesen einen Künstler mit einem Produkt durchbringen müssen. Ein Verlagsautor hat morgen mit Carpendale einen Hit und vielleicht übermorgen mit Sarah Connor. Titel kann man für verschiedenste Künstler arrangieren. Vordergründig ist das finanzielle Risiko bei einer Plattenfirma größer als bei einem Verlag. Investitionen wie beispielsweise die Kosten für ein Video fallen bei uns nicht an. Das Gesamtrisiko eines Verlags ist jedoch fast gleich groß, nur dass es sich breiter verteilt. Das führt zwar theoretisch zu einer Risikoreduzierung, allerdings sind unsere Gewinnmöglichkeiten wesentlich geringer. Ein Verlag muss in die Breite investieren und auch in der Breite auswerten. Das geht Hand in Hand.
mw.de: Was hindert Plattenfirmen daran, ihre Arbeit ähnlich anzulegen? Ende: Wenn eine Plattenfirma so erfolgreich arbeitet wie wir in den letzten Jahren, kann sie sich auch breiter aufstellen. Kommen die Erfolge nicht, besteht ein finanzieller Engpass, was zu weniger Themen führt. Das ist die grosse Gefahr, in der sich der Markt derzeit befindet.
mw.de: Eine Entwicklung, die dauerhaft die Verlage verschont? Ende: Wir sind nicht mehr so angewiesen auf die rein künstlerbezogene Auswertung. Wir haben uns seit Jahren so aufgestellt, dass das mechanische Recht, das mal 70 Prozent unserer Einnahmen ausgemacht hat, jetzt bei rund 50 Prozent liegt. Mit fallender Tendenz. Nicht wertmäßig fallend, sondern fallend im Einkommensmix unseres Hauses. Dadurch ist die Möglichkeit, wenn wir mal ein Jahr keine großen Chartserfolge vorweisen können, durch andere Einnahmen die Situation aufzufangen, viel größer. Sei es im Aufführungs- oder im Synchronisations- oder vielleicht Ruftonmelodie-Bereich. Oder wo auch immer. Wir haben mittlerweile mehrere Säulen und beobachten wachsam, wo sich neue Möglichkeiten ergeben.
mw.de: Seit wann nehmen die Aufführungsrechte und die anderen Rechte diesen gewachsenen Stellenwert ein? Ende: Das ist bei uns schon seit rund zehn Jahren so. Wobei der mechanische Bereich, was den Wert angeht, bei uns immer noch steigt. Das ist nicht der Punkt. Aber der Gesamtanteil des mechanischen Rechtes am Kuchen sinkt. Nach wie vor liegt im Bereich der anderen Rechte das Geld auf der Strasse. Absolut. Der Bedarf an Musik war, und das hat uns das Internet gezeigt, noch nie so groß wie heute. Auch wenn viele über das Internet stöhnen. Das läßt mich mehr als zuversichtlich in die Zukunft blicken, in dem Moment, wo wir die richtigen Instrumentarien haben. Und, das wage ich zu behaupten, auf Verlagsseite haben wir sie schon eher als auf der Schallplattenseite.
mw.de: Kann der Konsument zur Zeit nicht soviel Geld für Musik ausgeben, wie er vielleicht möchte? Ende: Der Konsument wird immer das kaufen, was für ihn attraktiv ist. Wenn die Branche attraktive Künstler auf den Markt bringt, wird der Konsument, der jetzt sein Geld für eine Playstation ausgibt, wieder Geld für Musik ausgeben. Wenn wir es aber nicht schaffen, diese Musik zu veröffentlichen, sondern relativ viel austauschbares Produkt auf den Markt bringen, das sich hoffentlich schnell verkauft, auf 100.000 Kopplungen verbraten wird und zigfach im Musikfernsehen zu sehen ist, schaffen wir keine Konsumentenbindung an den Artist. Ein Produkt, das nicht attraktiv ist, wird kopiert, das muss man nicht unbedingt in der Originalverpackung haben. Und wenn ich mir eine Kopplung kaufen soll, auf der vier oder fünf Titel sind, die ich gar nicht will, dann kann ich mir meine Best Of besser selbst brennen. Die Analyse wird zeigen, dass die Müdigkeit des Marktes eigentlich nicht vorhanden ist, sondern dass im Prinzip der starke Rückgang über die Kopplungen kommt.
mw.de: Das gibt Anlass zur Hoffnung, oder? Ende: Ich bin in keinster Weise pessimistisch. Mit den richtigen Themen werden wir wieder ein Wachstum im Gesamtmarkt erleben. Vielleicht nicht im mechanischen Bereich. Wenn die Kopplungen wegbrechen, leiden auch wir Verleger darunter. Aber wenn wir Hits haben und neue Wege gehen, haben wir ein gutes Jahr. Daran müssen wir arbeiten. Die mangelnde Risikobereitschaft, in langfristige Themen zu investieren, schadet der Branche. Das ist eine Binsenweisheit, die immer gern wiederholt wird, aber es richtet sich keiner danach.
mw.de: Spüren sie diese mangelnde Langfristigkeit auch im alltäglichen Umgang mit Plattenfirmen? Ende: Beim Anbieten von Themen wird man Ihnen bei Interesse mit Sicherheit erzählen, dass es sich um ein langfristiges Schwerpunktthema handelt. Funktioniert es nicht gleich, merken sie, dass die Langfristigkeit oft nur drei Monate dauert. Ich will nicht sagen, dass die anderen Probleme, die der Markt derzeit hat, vorübergehend sind, aber sie sind steuerbar über das Produkt. Ich kann den Konsumenten dazu bringen, nicht mehr zu kopieren, wenn ich ihm ein Produkt gebe, das er haben muss. Nehmen wir zum Beispiel die „Popstars“-Bands. Die verkaufen trotz der Brennerei mehr als eine Million Einheiten. Auch wenn das Ausnahmen sind, denn bei „Popstars“ wurde über Monate hinweg ein Umfeld kreiert, das man früher erst nach drei Alben, fünf Jahren oder 500 Konzerten erreicht hat. Es zeigt aber, dass attraktive Künstler mit attraktiven Titeln kreiert wurden. Wie lange sich so ein Thema dann hält, liegt am Geschick des A&Rs.
mw.de: Das heisst, sie sehen so ein Thema eher pragmatisch? Schließlich konnten die „Popstars“ nur mit Hilfe eines extrem starken TV-Umfelds so erfolgreich werden – ein Umfeld, das nahezu alle anderen Künstler nicht haben. Ende: Ich sehe es pragmatisch und halte es nicht für eine Bankrotterklärung, wenn man sich kreativer Zellen bedient, die nicht in der eigenen Firma liegen. Im Grunde genommen ist das eine Öffnung der eigenen Person gegenüber äußeren Einflüssen, die die tägliche Arbeit mitbestimmen. Wer dazu nicht in der Lage ist und nur das gut findet, was aus dem eigenen Haus oder direkt aus der Branche kommt, handelt fahrlässig. Dazu sind die Kommunikationswege zu vielschichtig geworden. Natürlich kann ein Fernsehteam eine ähnlich gute Idee haben wie ein A&R Manager.
mw.de: Wird in Zukunft nur noch ein Bandaufbau à la „Popstars“ funktionieren? Ende: Wenn nur dieser Weg funktionieren würde, wäre ich auch pessimistisch. Aber es gibt auch andere Beispiele wie Guano Apes oder Sarah Connor. Oder Xavier Naidoo und Ayman. Aber es gibt zu wenige solcher Beispiele. Das liegt zum Teil daran, dass oft im Vorfeld zu viel Geld ausgegeben wird, um eine Single erfolgreich zu machen und dann bei Misserfolg der Atem fehlt.
mw.de: Arbeiten Sie Themen mit Vorliebe ihrer Schwester-Firma EMI zu? Oder ist EMI Music Publishing im gleichem Maße Partner anderer Plattenfirmen? Ende: Glücklicherweise gibt es im Hause EMI keinen Sippenzwang. Und nur dank dieser Freiheit können wir so erfolgreich arbeiten. Wir arbeiten mit vielen Editionären zusammen, die die selbe Freiheit besitzen müssen. Natürlich arbeite ich auch gern mit Udo Lange zusammen, aber wenn wir feststellen, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind oder wir uns nicht einigen können, lassen wir es. Wir haben nicht die Struktur wie andere, wo der Publishing-Chef an den Schallplatten-Chef berichtet. Wir arbeiten unabhängig voneinander in den lokalen Märkten.
mw.de: Eine Frage zum Datenverwaltungs-System International Music Joint Venture. Man spricht von 30 Millionen Euro, die mehr oder weniger in den Sand gesetzt wurden. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Ende: Der GEMA-Aufsichtsrat hat sich vor längerer Zeit entschlossen, dieses Projekt mit Rat zu begleiten, aber nicht finanziell zu unterstützen. Warum? Weil die GEMA eine Datenbank hat, die umfassend ist. Es hätte nur eine Verdoppelung der Investitionen bedeutet. Dass sich die MCPS entschloss, das Projekt durchzuziehen, kann ich nicht nachvollziehen. Im Grunde genommen war IMJV eine krasse Fehleinschätzung beziehungsweise Unterschätzung der bestehenden Möglichkeiten, auf denen man aufbauen kann.
mw.de: Können sich die Verbände leisten, beispielsweise mit Fasttrack und IMJV konkurrierende Projekte an den Start zu bringen? Ende: Es bleibt für mich ein Mysterium, dass die Verwertungsgesellschaften es bis heute nicht geschafft haben, ein gemeinsames, europaweites Konzept zu entwickeln. Das kann nicht so schwer sein, wenn vernünftige Menschen miteinander reden und an einem Strang ziehen. Bisher diskutiert man noch, wer im Zusammenspiel der Verwertungsgesellschaften der Vernünftige ist und das zu unseren Lasten.
mw.de: Ist eine Einigung in Sicht? Ende: Da es sich noch um eine politische Angelegenheit handelt, sehe ich leider keine baldige Einigung. Es sei denn, die Sachzwänge bringen die Beteiligten dazu, näher zusammenzurücken, sprich, der Umsatz geht bei steigenden Kosten weiter zurück. Es ist bereits kurz vor 12.
mw.de: EMI Music Publishing wäre vermutlich in der Lage, die Rechte selber einzusammeln. Ist das eine Option? Aus der schieren Größe heraus? Ende: Rein wirtschaftlich betrachtet, ist es eine Option, ob diese rechtlich durchzusetzen und vernünftig ist, ist fraglich. Wir sind in der Situation, dass wir Treuhänder von Rechten sind, die uns die Autoren gegeben haben. Wenn unsere Autoren Mitglieder der GEMA sind, sind wir an die GEMA gebunden. Wir können also keine eigene Verwertungsgesellschaft für lokales Repertoire gründen. Insofern ist die Option, auch wenn sie ab und zu wieder Planspiele herausfordert, nicht konkret.
mw.de: Ist es vorstellbar, dass von den Autoren der Wunsch herangetragen wird, eine Verwertungsgesellschaft anstelle der GEMA zu gründen? Ende: Das ist sehr theoretisch. Wenn es passiert, wird man es prüfen müssen.
mw.de: Kann man EMI Music Publishing als das Kronjuwel der EMI Group bezeichnen? Ende: Die Konzernspitze bezeichnet den Verlag als Kronjuwel. Wer würde „wagen“ zu widersprechen.
zur person: Peter Ende, Geschäftsführer EMI Music Publishing Germany
geboren am 17. September 1951
Peter Ende begann seine Karriere in der Musikbranche im Jahr 1967 mit einer Ausbildung bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft, für die er im Anschluss bis 1977 arbeitete. Nach einem Intermezzo bei Intersong wurde er 1980 Managing Director/Geschäftsführer von EMI Music Publishing Germany GmbH (früher Francis Day & Hunter GmbH). Von 1990 an verantwortete er zusätzlich die europäischen Verlagsgeschäfte von EMI, 1996 wechselte die Zuständigkeit auf Deutschland und Osteuropa. Peter Ende ist seit 1997 Vorstandsmitglied des Deutschen Muskverleger-Verbandes und Mitglied im Aufsichtsrat der GEMA. Zu seinen Hobbies zählen Golf, Musik und Lesen.






