Recorded & Publishing

Michelle Records wird 25 Jahre alt: Musikleidenschaft gibt den Ton an

Mit Michelle Records feiert eines der ältesten Tonträger-Fachgeschäfte Hamburgs seinen 25. Geburtstag. In beschaulicher Lage am Gertrudenkirchhof und im Schatten großer Kaufhäuser baute sich Michelle eine treue Kundschaft auf.

Mit einem Angebot jenseits des Mainstreams gilt Michelle Records als hanseatische Institution in Sachen Underground-Pop, Gitarrenrock, Metal, HipHop und Reggae. Das Geschäft habe sich zu einem „im klassischen Sinne unabhängigen Traditionsladen für alternativen Mainstream entwickelt“, umschreibt Stefan Wulf den Status des rund 180 Quadratmeter großen Fachgeschäfts. Wulf ist einer von drei Geschäftsführern der im März 2000 gegründeten VEB Michelle GmbH.

Die Bezeichnung VEB, im Jargon der ehemaligen DDR die Abkürzung für Volkseigener Betrieb, wählten die Drei nicht ohne ironisches Augenzwinkern: Nachdem nämlich die Vorbesitzer vor zwei Jahren Insolvenz anmelden mussten, übernahmen drei der damaligen Angestellten den Betrieb. Seitdem entwickelten Stefan Wulf, Christof Jessen und Ralf Bittermann ihre eigene alternative Geschäftsphilosophie. Mit zwei Mitarbeitern wurde diese erfolgreich an den harten Bedingungen des Markts getestet: „Der Begriff Independent hat weniger mit Musik selbst zu tun als mit einer Einstellung zur Musik“, erklärt Wulf. „Wir wollen nicht nur Waren gegen Geld tauschen, sondern die Musik in den Mittelpunkt stellen.“

Was das bedeutet, zeigen die vielen In-Store-Gigs, mit denen Michelle in den vergangenen Jahren seinen fachlichen Ruf auch über die Grenzen Hamburgs ausbaute. Bands wie die Go-Betweens, Madrugada oder auch Calexico spielten am Gertrudenkirchhof, demnächst erscheint ein Sampler mit Aufnahmen dieser Auftritte. „Die In-Store-Gigs entstehen in direkter Zusammenarbeit mit den Labels. Und das weniger aus Gründen der Promotion als aus Leidenschaft“, meint Christof Jessen, der als Sänger der Formation Das Weeth Experience das Befinden von Musikern selbst kennt.

Eine Leidenschaft, die sich auszahlt: Denn nach einem eher schleppenden Neubeginn konsolidierte sich die wirtschaftliche Lage von Michelle auf einem zufriedenstellenden Niveau: „Wir haben vom allgemeinen Umsatzrückgang im letzten Jahr nur sehr wenig bemerkt“, verrät Wulf. Ein Grund dafür sei die gute Kundenbindung und ein Angebot, das sich stark von dem anderer Läden unterscheide: „Unsere Verkaufs-Charts verhalten sich umgekehrt proportional zu den Media-Control-Charts.“ Einen Schwerpunkt bildet dabei zum Beispiel das umfassende Angebot an Vinyl-Neuerscheinungen, das mehr als 45 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt und auch in Zukunft wachsen soll.