Audio

Mediennutzung 2023: lineares TV verliert deutlich, Streaming stagniert, Audio legt zu, Print überraschend ebenfalls

Die deutschsprechende Bevölkerung ab 14 Jahren nutzt 412 Minuten pro Tag Medien und damit weniger als in den vergangenen Jahren. Das ist eins der Ergebnisse der neuesten Ausgabe der Langzeit-Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends. Großer Verlierer ist dabei das lineare Fernsehen, Gewinner sind das Live-Radio und – überraschenderweise insbesondere bei den Unter-30-Jährigen – gedruckte Zeitungen, Zeitschriften und Bücher.

Auf den ersten Blick gibt es bei der Mediennutzung in Deutschland nur einen Gewinner: Die Audio-Nutzung gewann gegenüber 2022 fünf Minuten dazu und liegt nun bei 175 Minuten pro Tag, Video und Text verloren hingegen elf bzw. zehn Minuten und liegen nun bei 203 bzw. 60 Minuten. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass es auch bei den Themen Video und Text Aufsteiger gibt – und beim Thema Audio genauso Absteiger. Schauen wir uns die Zahlen der neuesten Ausgabe der ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends also genau an:

Video:

Das Bewegtbild bleibt die Lieblingsdarreichungsform medialer Inhalte der deutschsprechenden Wohnbevölkerung, aus der für die Studie 2.000 Leute auf Basis einer repräsentativen Dual-Frame-Stichprobe und eines repräsentativen Onlinepanels befragt wurden. Mit 203 Minuten liegt die Video-Nutzung bei den Über-14-Jährigen allerdings unter den Zahlen der Corona-Jahre 2020 bis 2022.

Verloren hat unter den verschiedenen Video-Gattungen vor allem das lineare Fernsehen: Mit nur noch 133 Minuten fällt es auf ein historisches Tief. Hatten die Jahre 2020 und 2021 die Nutzung – u.a. durch das große Informationsinteresse in Bezug auf Corona – noch stabilisiert, geht es nun klar nach unten. Allein im Vergleich zu 2022 gingen pro Nutzendem täglich 14 Minuten lineares TV verloren. Keine guten Nachrichten insbesondere für die Sender, die durch ihre Werbefinanzierung ein möglichst großes Publikum erreichen müssen.

Doch auch die Streamingdienste verzeichnen kein signifikantes Wachstum mehr: Zwar wurden aus 30 Minuten hier 31, doch das Hoch aus dem Jahr 2021 (36 Minuten) bleibt vorerst unerreicht. Die 30 Minuten entsprechen dem Wert aus 2020. Immerhin: Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 gibt es weiterhin ein klares Plus von zehn Minuten. Deutlich nach oben gehen hingegen die Nutzungszeiten für Videos auf YouTube und in sozialen Netzwerken. Bei YouTube legen insbesondere Videos, die nichts mit TV-Sendungen zu tun haben, zu (von 11 auf 14 tägliche Minuten), die sozialen Netzwerke wachsen von 8 auf 14 Minuten sogar noch schneller. Beide Werte sind neue Rekorde.

Ebenfalls interessant: DVDs und Blu-rays spielen kaum noch eine Rolle im Mainstream: Zum zweiten Mal in Folge liegt die Durchschnittsnutzung dieser Medien bei täglichen 0 Minuten.

Geradezu dramatisch sieht es für das lineare Fernsehen bei den 14- bis 29-Jährigen aus: Hier wird nur noch 31 Minuten pro Tag geschaut – so wenig wie nie zuvor. Im Vergleich zu 2022 gingen extreme 18 Minuten abhanden. Damit liegen nicht die Streamingdienste wie Netflix, Prime & Co. deutlich vor dem linearen TV, sondern inzwischen auch YouTube-Videos abseits von TV-Sendungen, sowie die sozialen Netzwerke. Insbesondere dort ging es massiv nach oben – um 14 Minuten von 21 auf 35. Video-zentrierte Dienste wie TikTok dürften hier eine große Rolle beim Wachstum spielen. Die Streamingdienste, die mit 58 Minuten die Nummer 1 der Gattungen sind, müssen allerdings deutliche Einbußen verkraften, in den Corona-Jahren 2020 bis 2022 lagen sie noch bei 73 bis 83 täglichen Minuten.

Audio:

Die einzige der Medienformen (Video, Audio, Text) mit einem Gesamt-Wachstum ist Audio. Hier weist die Studie 175 tägliche Nutzungsminuten aus – gegenüber 170 im Jahr 2022. Allerdings: 2018 waren es noch 202 Minuten. Wachstumstreiber waren hier, im kompletten Gegensatz zum Video-Genre, die linearen Sender: 142 Minuten lang wird Live-Radio gehört – so viel wie seit 2019 nicht mehr. Auch hier dürfte die Corona-Pandemie eine Rolle in der Entwicklung spielen: Während die Leute 2020 bis 2022 verstärkt zu Hause waren und dabei Netflix & Co. einen Wachstumsschub bescherten, sind sie nun wieder vermehrt unterwegs oder in den Büros und hören dabei u.a. Radio.

Musik via Streamingdienste wie Spotify schrumpfte hingegen von 20 auf 18 Minuten, Musik via YouTube von 10 auf 7 Minuten. Podcasts bleiben auf stabilem Niveau: Wie im Vorjahr hört jeder Über-14-Jährige im Durchschnitt 6 Minuten pro Tag solche Audiosendungen.

Bei den 14- bis 29-Jährigen sieht die Entwicklung tendenziell ähnlich aus: Die Gesamt-Gattung Audio wächst von 152 auf 159 Minuten, bleibt damit aber unter allen Jahren vor 2022. Lineares Radio verzeichnet mit 71 Minuten den besten Wert seit 2019 und gewann gegenüber 2022 zehn Minuten dazu. Musik via Spotify & Co. gewann hier im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren minimal dazu, bleibt mit 58 Minuten aber unter den Jahren 2020 und 2021. Musik via YouTube spielt mit 19 Minuten die kleinste Rolle seit 2019, Podcasts bleiben mit 13 täglichen Nutzungsminuten stabil.

Text:

Bei der Medienform Text wird es noch interessanter: Zwar ging die tägliche Nutzungsdauer hier um zehn Minuten von 70 auf 60 zurück, doch im Vergleich zu den Jahren 2019 bis 2021 (52 bis 54 Minuten) entspricht das immer noch einem Plus. Der Rückgang ging hier vor allem auf das Konto der Online-Artikel, die statt 37 nur noch auf 28 Minuten kamen. Auch das wird wieder eine Auswirkung des Endes der Pandemie sein: Das Informationsinteresse an möglichst aktuellen Corona-Nachrichten bescherte den Online-Medien starke Zahlen. Gedruckte Zeitungen und Zeitschriften steigerten sich hingegen leicht von 15 auf 16 Minuten – Bestwert seit 2018. Gedrückte Bücher büßten von 13 auf 12 Minuten leicht ein, E-Books blieben mit 7 Minuten stabil.

Bei den 14- bis 29-Jährigen gibt es einen Trend, der so wohl nicht zu erwarten war. Einen Trend zu Papier! Zwar ging die Text-Nutzungszeit hier von 88 auf 78 Minuten zurück, das entspricht jedoch immer noch dem zweitbesten Wert seit dem Start der ARD/ZDF Massenkommunikation Trends 2017. Das Spannende: Das Minus geht einzig und allein auf das Konto von Online-Artikel, die von 60 auf 45 Minuten Nutzungszeit schrumpften. Hier ging es übrigens für alle Marktteilnehmer bergab: für Onlinemedien genauso wie für soziale Netzwerke, etc. Print-Medien hingegen legten durch die Bank zu: So steigerten sich gedruckte Zeitungen und Zeitschriften bei den 14- bis 29-Jährigen um zwei Minuten auf den Rekordwert von 10 Minuten, gedruckte Bücher gewannen ebenfalls zwei Minuten und liegen nun bei 14 Minuten und damit über dem Wert der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren. Erleben Print-Medien also eine Renaissance durch die junge Bevölkerung? Spannend!