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MA: Radio Bob springt auf neuen Rekord, Radio NRW, NDR 2 und Radio Hamburg verlieren massiv

Die neue Ausgabe der MA Audio bescherte der deutschen Radio-Branche sehr unterschiedliche Ergebnisse. Während erfolgsverwöhnte Sender wie Radio NRW, Antenne Bayern, 1Live, NDR 2 und andere auf die schwächsten Reichweiten seit Ewigkeiten fielen, sprangen Sender wie Radio Bob, Radio Schlagerparadies, Sunshine Live und das 80s80s Radio auf neue Rekorde.

Insgesamt werden Audio-Medien laut der neuesten Daten der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (Agma) weiterhin von fast allen Personen ab 14 Jahren in der deutschsprachigen Bevölkerung gehört. Der weiteste Hörerkreis, das ist die Zahl derjenigen, die in den jüngsten vier Wochen mindestens einen Radiosender oder ein Online-Audio-Angebot genutzt haben, liegt derzeit bei 93,6 Prozent und damit nur minimal unter der Zahl der MA Audio 2022 II (94,1 Prozent).

Positiv für die Audio-Branche: Auch im jungen Publikum verliert das Medium nicht übermäßig, bei den 14- bis 29-Jährigen liegt der weiteste Hörerkreis bei 91,3 Prozent. Wer nun denkt, die jüngeren Menschen würden ja mittlerweile alle Spotify hören und kein herkömmliches Radio mehr, täuscht sich. Laut MA Audio liegt der weiteste Hörerkreis beim linearen Radio in dieser Altersgruppe immerhin noch bei 88,7 Prozent. Online-Audio kommt hier auf 40,8 Prozent. Insgesamt liegt das Radio bei 93,0 Prozent, Online-Audio bei 23,0 Prozent. Die Plattform DAB+ wächst dabei kontinuierlich, kommt inzwischen auf einen weitesten Hörerkreis von 28,5 Prozent. Am populärsten ist dieser Zugangsweg zum Radio bei den 30- bis 49-Jährigen – mit 31,3 Prozent.

Die Tagesreichweite derjenigen, die montags bis freitags Audio gehört haben, liegt insgesamt bei 75,5 Prozent, bei den 14- bis 29-Jährigen noch bei 67,6 Prozent. Die Radiosender erreichen hier 74,3 bzw. 63,6 Prozent, Online-Audio-Angebote kommen auf 9,3 bzw. 16,2 Prozent. Für das lineare Radio ging es bei den Tagesreichweiten nur minimal nach unten – von 74,5 auf nun 74,3 Prozent.

Trotz der insgesamt recht stabilen Zahlen sank die Reichweite der werberelevanten Sender in der Währung Hörerinnen und Hörer pro Durchschnittsstunde, Mo.-Sa., 6 bis 18 Uhr, um 2,6 Prozent. Das ist die Währung, die für die Werbevermarktung besonders wichtig ist. Bei den einzelnen Sendern ging es für einige große, traditionsreiche Anbieter noch deutlicher nach unten. So büßte Radio NRW, der Zusammenschluss diverser privater Lokalsender, im Vergleich zur MA 2022 II satte 8,8 Prozent ein. Mit 1,438 Millionen Hörerinnen und Hörern fiel Radio NRW auf den schwächsten Wert seit der MA 2009 II.

Für Antenne Bayern gehen die Reichweitenverluste unterdessen ungebremst weiter. Inzwischen kommt der Sender, der in der MA 2019 II noch bei 1,035 Millionen lag, nur noch auf 703.000 Hörerinnen und Hörer. Unser Archiv geht bis 2006 zurück, in diesem Zeitraum war Antenne Bayern nie schwächer. Auch 1Live stürzte weiter ab: Mit 669.000 gibt es hier die geringste Reichweite seit der MA 2006 II.

Unter allen Zahlen der Jahre 2006 bis 2022 liegen auch SWR4 BW, Hit Radio FFH, Radio FFN, MDR Sachsen, MDR Jump, Radio SAW, SWR4 RP und vor allem Radio Hamburg, das mit einem Minus von 25,1 Prozent gegenüber der vorigen MA-Ausgabe komplett abstürzte. Mit 125.000 Hörerinnen und Hörern pro Durchschnittsstunde erreicht der Sender aus der Hansestadt nichtmal mehr die Hälfte des Publikums, das noch bei der MA 2019 II zuhörte (251.000).

Neben den Verlierern gibt es aber auch einige Gewinner, zum Teil sogar mit neuen Alltime-Rekorden. So steigerte sich Radio Bob! weiter – auf inzwischen eine halbe Million Hörer pro Durchschnittsstunde. Das entspricht einem Plus von 18,8 Prozent gegenüber der vorigen MA und Platz 9 im Sender-Ranking. Etwas weiter hinten, auf Rang 31, stellte auch Radio Schlagerparadies einen neuen Rekord auf – mit 163.000 gab es hier ein Plus von immerhin 5,2 Prozent.

Stark wie nie war direkt dahinter auch Sunshine live mit 160.000 Hörerinnen und Hörern pro Durchschnittsstunde. Und auch das 80s80s Radio aus Rostock wächst weiter – auf den erneuten Reichweiten-Rekord von 132.000. Knapp hinter den Top-50-Plätzen gibt es einen weiteren Rekord: für das Rockland Radio, das sich um fast 90 Prozent gegenüber der MA 2022 II steigerte.

ma 2023 Audio I: Top 100 Sender (nur Werbeträger / ohne Kombis)
Platz Sender Hörer pro Stunde in Tausend (Mo-Fr, 6-18 Uhr) 2023 I vs. 2022 II abs. 2023 I vs. 2022 II in %
1 Radio NRW 1.438 -139 -8,8
2 Bayern 1 1.061 -15 -1,4
3 WDR 2 985 -69 -6,5
4 SWR3 920 -23 -2,4
5 Antenne Bayern 703 -32 -4,4
6 1Live 669 -31 -4,4
7 NDR 2 651 -102 -13,5
8 Bayern 3 599 -16 -2,6
9 Radio Bob! 500 79 18,8
10 SWR1 BW 404 40 11,0
11 SWR4 BW 367 -36 -8,9
12 Hit Radio FFH 358 -53 -12,9
13 Rock Antenne 345 -18 -5,0
14 Radio FFN 310 -11 -3,4
15 MDR Sachsen 310 5 1,6
16 HR4 289 28 10,7
17 HR3 257 13 5,3
18 R.SH Radio Schleswig-Holstein 230 8 3,6
19 MDR Jump 226 -19 -7,8
20 Klassik Radio 222 -9 -3,9
21 Radio Regenbogen 215 8 3,9
22 SWR1 RP 207 -6 -2,8
23 MDR Thüringen 200 -1 -0,5
24 RPR1. 198 6 3,1
25 Antenne Niedersachsen 197 -10 -4,8
26 HR1 192 21 12,3
27 MDR Sachsen-Anhalt 177 3 1,7
28 BR24 175 12 7,4
29 bigFM Deutschlands biggste Beats 164 -12 -6,8
30 Radio SAW 164 -4 -2,4
31 Radio Schlagerparadies 163 8 5,2
32 Radio PSR 161 -23 -12,5
33 Sunshine live 160 25 18,5
34 Bayern 2 159 -10 -5,9
35 Hitradio Antenne 1 157 0 0,0
36 Antenne Brandenburg 157 13 9,0
37 Ostseewelle Hit-Radio MV 153 11 7,7
38 SWR4 RP 143 -14 -8,9
39 Hitradio RTL Sachsen 140 17 13,8
40 Energy DAB+ National 135 -4 -2,9
41 Berliner Rundfunk 91!4 135 -1 -0,7
42 Radio 7 134 -4 -2,9
43 80s80s Radio 132 10 8,2
44 Radio Brocken 131 20 18,0
45 RTL Radio 126 -20 -13,7
46 Antenne Thüringen 126 -3 -2,3
47 Radio Hamburg 125 -42 -25,1
48 bigFM Baden-Württemberg 120 -3 -2,4
49 Radio eins 116 -13 -10,1
50 Bremen Eins 113 -5 -4,2
51 104.6 RTL 109 9 9,0
52 Radio Paloma 108 7 6,9
53 RBB 88.8 103 4 4,0
54 Rockland Radio 93 44 89,8
55 89.0 RTL 92 -13 -12,4
56 R.SA 91 -14 -13,3
57 Radio 21 89 -20 -18,3
58 BB Radio 83 -5 -5,7
59 You FM 77 -12 -13,5
60 Planet Radio 72 -3 -4,0
61 HR-info 71 5 7,6
62 Radio Bob! rockt Schleswig-Holstein 70 -1 -1,4
63 94,3 RS2 63 -5 -7,4
64 Star FM 87.9 63 11 21,2
65 Schlager Radio 62 -1 -1,6
66 SR 1 61 -12 -16,4
67 RBB24 Inforadio 61 0 0,0
68 Bremen Vier 59 -20 -25,3
69 Regenbogen Zwei 59 -3 -4,8
70 Fritz 58 -11 -15,9
71 LandesWelle Thüringen 58 1 1,8
72 Energy Sachsen 57 -15 -20,8
73 Radio Arabella 53 5 10,4
74 BR-Klassik 53 13 32,5
75 SR 3 Saarlandwelle 52 -12 -18,8
76 Radio Salü 52 -2 -3,7
77 Jam FM 51 -4 -7,3
78 harmony.fm 50 -9 -15,3
79 Die neue 107.7 48 0 0,0
80 Energy Berlin 48 3 6,7
81 105’5 Spreeradio 47 -9 -16,1
82 Gong 96,3 (München) 46 -11 -19,3
83 Rock Antenne Hamburg 45 5 12,5
84 Radio Teddy 45 0 0,0
85 Das neue Radio Seefunk 44 7 18,9
86 Donau 3 FM 44 14 46,7
87 Delta Radio 43 -1 -2,3
88 Schwarzwaldradio 42 1 2,4
89 Bremen Next 42 4 10,5
90 Radio Ton 40 -4 -9,1
91 die neue welle 38 -5 -11,6
92 Radio Paradiso 38 -1 -2,6
93 98.8 Kiss FM 35 -6 -14,6
94 egoFM 34 1 3,0
95 Radio Galaxy Bayern 33 0 0,0
96 Energy Region Stuttgart 33 5 17,9
97 95,5 Charivari (München) 32 6 23,1
98 Energy Bremen 31 -6 -16,2
99 Jam FM Berlin 29 -5 -14,7
100 100,6 FluxFM 28 2 7,7

Quelle: ma 2023 Audio I / Tabelle: MEEDIA

Die größten Verlierer nach absoluten Zahlen heißen unterdessen Radio NRW, NDR 2 und WDR 2. Unter diesen zehn größten Absteigern finden sich fünf öffentlich-rechtliche und fünf private Sender. Ein Trend in die eine oder andere Richtung ist also nicht zu beobachten. Das gilt im Übrigen auch für die Gesamtzahlen der Vermarkter, die sich mit einem Minus von 2,4 Prozent (ARD) bzw. 3,3 Prozent (RMS) ähnlich entwickelten.

ma 2023 Audio I: die 10 größten Verlierer (nur Werbeträger / ohne Kombis)
Platz Sender Hörer pro Stunde in Tausend (Mo-Fr, 6-18 Uhr) 2023 I vs. 2022 II abs. 2023 I vs. 2022 II in %
1 Radio NRW 1.438 -139 -8,8
2 NDR 2 651 -102 -13,5
3 WDR 2 985 -69 -6,5
4 Hit Radio FFH 358 -53 -12,9
5 Radio Hamburg 125 -42 -25,1
6 SWR4 BW 367 -36 -8,9
7 Antenne Bayern 703 -32 -4,4
8 1Live 669 -31 -4,4
9 SWR3 920 -23 -2,4
10 Radio PSR 161 -23 -12,5

Quelle: ma 2023 Audio I / Tabelle: MEEDIA

Größter absoluter Aufsteiger ist das oben bereits erwähnte Radio Bob!, dessen Plus von 79.000 Hörerinnen und Hörern kein Konkurrent toppen konnte. Direkt dahinter im Gewinner-Ranking: Rockland Radio und SWR1 BW.

ma 2023 Audio I: die 10 größten Gewinner (nur Werbeträger / ohne Kombis)
Platz Sender Hörer pro Stunde (Mo-Fr, 6-18 Uhr) 2023 I vs. 2022 II abs. 2023 I vs. 2022 II in %
1 Radio Bob! 500 79 18,8
2 Rockland Radio 93 44 89,8
3 SWR1 BW 404 40 11,0
4 HR4 289 28 10,7
5 Sunshine live 160 25 18,5
6 HR1 192 21 12,3
7 Radio Brocken 131 20 18,0
8 Hitradio RTL Sachsen 140 17 13,8
9 Donau 3 FM 44 14 46,7
10 HR3 257 13 5,3

Quelle: ma 2023 Audio I / Tabelle: MEEDIA

Insgesamt lässt sich anhand der neuesten MA-Zahlen also sagen, dass sich die Audio-Branche weiterhin großer Beliebtheit erfreut, die Tagesreichweiten sehen auch beim linearen Radio sehr stabil aus. Die überdurchschnittlichen Verluste bei den Hörerinnen und Hörern der werberelevanten Sendern in den werberelevanten Tageszeiten dürfte den einen oder anderen Anbieter dennoch zum Grübeln bringen.