Eine erschreckende Zahl – und ein Warnschuss für das bislang von Tonträger-Piraterie verschont gebliebene Segment der Kindermedien. So jedenfalls sieht es Michael Schneider, General Manager Universal Family Entertainment: „Auch wenn es momentan noch wenig Piraterie im Kindersegment gibt, heißt das nicht, dass das so bleiben muss. Man hat ja im Pop- und Klassikbereich gesehen, wie schnell das gehen kann.“ Michael Schneider, der mit Rolf Zuckowski, Detlev Jöcker und „Die Maus“ gleich einige Mega-Stars der Kinderstuben betreut, nennt aber auch noch andere Gründe: „Wir sind verpflichtet, das geistige Eigentum unserer Auftraggeber und Künstler so zu schützen, wie die Rechte unserer Lizenzgeber.“ Die Konsequenz daraus: Universal führt im Laufe dieses Jahres auch im Kinderbereich einen Kopierschutz ein. Wohl auch deshalb, weil das Unternehmen künftig alle Tonträger mit digitaler Piratenabwehr aufrüsten wird. Die dadurch entstandenen Kosten, so Schneider, halten sich dabei in Grenzen: Ganze acht Cent pro CD kostet die Präventivmaßnahme.
Anneke Vogt, Marketing Direktorin bei Kiddinx, fährt dagegen zweigleisig. Mit Kopierschutz sind seit einem Jahr nur die CD-ROMs aus dem Haus der Berliner Kindermedien-Experten versehen. „Unser Presswerk hat es uns angeboten“, sagt Vogt im Gespräch mit musikwoche.de. Trotzdem glaubt sie, dass Piraten im Kinderprogramm noch nicht am Ruder sind: „Die interessieren sich doch hauptsächlich für High-Price-Produkte. Außerdem ist im Bereich Kinderhörspiel immer noch die Audio-Kassette der Renner, sie macht immerhin 95 Prozent des Umsatzes aus.“
Ähnlich sieht es auch ihre Kollegin Christina Schwendy, Marketing Director von BMG Miller: „Für einen Teil unserer Zielgruppe – die Klein- und Schulkinder – war ein Kopierschutz bislang noch nicht zwingend notwendig. Doch wenn sich die technische Ausstattung in den Haushalten und auch in den Kinderzimmern ändert, müssen wir darauf reagieren.“ Bislang aber verzichtet BMG Miller bei den nächsten veröffentlichten MCs, CDs, CD-ROMs, DVDs und Videos auf Kopierschutz. Doch auch Schwendy meint: „Das Thema ist präsent. Wir werden wachsam sein und nötigenfalls schnell reagieren.“
Wie kontrovers die Tonträgerpiraterie von den Firmen beurteilt wird, zeigen die Beispiele Delta Music und Terzio. Während Grit Weil aus der Marketingabteilung bei Delta die Notwendigkeit eines Kopierschutzes überhaupt nicht sieht, weil „unsere Produkte dafür einfach zu günstig sind“, geht Terzio auf Nummer Sicher: „Für uns ist der Kopierschutz absolut üblich“, erläutert Andrea Ziemsen aus der Presse-Abteilung bei Terzio. „Alle Toptitel sind damit versehen. Die Rate an Raubkopien ist einfach zu hoch – und sie wird immer höher.“ Gute Gründe, um das digitale Wildern bei „Löwenzahn“, „Ritter Rost“ und Co. zu unterbinden, gibt es also genug. Dennoch reagieren Käufer oft recht unwirsch, wenn sie Bekanntschaft mit dem Kopierschutz machen: „Viele Eltern wollen sich eine Sicherheitskopie ziehen“, sagt Andrea Ziemsen, „wenn das nicht geht, rufen sie meist verwundert an. Wir können sie aber immer beruhigen. Wenn eine CD oder CD-ROM unserer Firma kaputt geht, tauschen wir sie kostenlos um.“




