Recorded & Publishing

Im Gespräch: Dr. Peter Hanser-Strecker, Präsident Schott Musik International

Aus Anlass seines 60. Geburtstags am 14. Juli sprach musikwoche.de mit Dr. Peter Hanser-Strecker, Präsident Schott Musik International, über die derzeitige Situation der Musikbranche, die Gründung der Strecker-Stiftung und seine privaten Geburtstagsvorbereitungen.

musikwoche.de: Wie sehen Sie die Zukunft des Musikgeschäfts? Dr. Peter Hanser-Strecker: Das Barometer steht auf Veränderung, die Chancen halten sich mit den Risiken die Waage. Die drastischen Veränderungen bei den Majors sind eine Chance für die mittelständischen Verlage und für zukunftsweisende Ideen. Vieles wird davon abhängen, ob es uns gelingt, gemeinsam mit der Politik, mit Erziehenden und Lehrenden den Stellenwert von Musik in unserer Gesellschaft zu sichern und klar zu machen, wie wichtig musikalische Kreativität für unser Kulturerbe und unsere Alltagskultur ist.

mw: Können Firmen und Verbände noch angemessen auf Probleme wie das Kopieren reagieren? Hanser-Strecker: Sie können nicht nur, sie müssen es! Wir haben hier eine geradezu historische Aufgabe zu erfüllen: Die Interessen aller Kreativen und Urheber vor den Zugriffsmöglichkeiten durch eine unaufhaltbare Technologie zu schützen. Die akuten Probleme des weltweiten Downloads und Brennens zum Nulltarif haben eine Dimension erreicht, die von der Musikbranche allein nicht mehr zu beherrschen ist. Wir brauchen dringend die Unterstützung von Politik und Gesetzgeber, wir brauchen moderne Antworten wie zum Beispiel ein kluges Digital Rights Management, aber auch mehr Einsicht und Rechtsempfinden bei den Konsumenten.

mw: Würden Sie noch einmal über das Plagiat in der Musik promovieren? Hanser-Strecker: Das Plagiat war vor 35 Jahren ein spannendes Thema. Heute würde ich mich selbstverständlich mit dem brennenden Thema des Schutzes urheberrechtlicher Leistungen im digitalen Zeitalter befassen – wieder würde es um Urheberrechte gehen, nur unter einer komplexeren und brisanteren Fragestellung.

mw: Womit findet die Branche aus dem derzeitigen Tal heraus? Hanser-Strecker: Kreativität, Glauben an die echten Talente, Mut und Durchhaltevermögen und das für jeden Erfolg nötige Quäntchen Glück. Im Tal nimmt man Anlauf für den Gipfelsturm – deshalb bin ich optimistisch.

mw: Was wünschen Sie der neuen DMV-Präsidentin Dagmar R. Sikorski-Großmann? Hanser-Strecker: Ich wünsche ihr vor allem eine geschlossene Mannschaft, mutigen Reformwillen und gutes Gelingen der notwendigerweise ehrgeizigen Pläne und großen Aufgaben.

mw: Was sind die Ziele Ihrer neuen Stiftung? Hanser-Strecker: Mit der Pro-Musica-Viva-Stiftung haben wir vor mehr als zehn Jahren einen wichtigen Schritt zur Förderung der Musik und des Musiklebens unternommen und seither zahlreiche Projekte ermöglicht. Mit der Gründung der Strecker-Stiftung erhält mein Engagement für das Musikleben eine neue Dimension. Der Stiftung, die auf eine gemeinsame Initiative aller Gesellschafter von Schott zurückgeht, soll so viel Geld zur Verfügung stehen, dass sie substanzielle und nachhaltige Impulse für das Musikleben, für die Förderung des musikalischen, verlegerischen und musikwissenschaftlichen Nachwuchses, die Präsenz der Musik in Erziehung und Bildung haben wird. Ich knüpfe damit an eine Familientradition an, die der letzte Vertreter der Familie Schott, Franz Schott, 1874 begründet hat.

mw: Was taten Sie an Ihrem 60. Geburtstag? Hanser-Strecker: Ich ging mit meiner Frau und unseren drei Kindern im Pazifik auf Tauchstation. Unter Wasser gibt es weder Telefon noch E-Mail, so dass ich mich ganz auf meine Familie und die Natur konzentrieren konnte.