Recorded & Publishing

Goldman Sachs sieht 76 Prozent Wachstum auf knapp 200 Milliarden Dollar Umsatz für Musikindustrie

Laut Goldman Sachs wird die kumulierte Musikindustrie im Jahr 2035 einen Jahresumsatz von 198,1 Milliarden Dollar erzielen. Die Investmentbanker:innen rechnen dabei in allen Bereichen der Branche – Recorded, Publishing und Live – mit starkem Wachstum.

Goldman Sachs hat die zehnte Ausgabe seiner Branchenstudie „Music In The Air“ vorgelegt und die langfristige Prognose für die Musikwirtschaft erstmals seit 2022 nach oben korrigiert. Demnach soll der weltweite Umsatz von 112,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 198,1 Milliarden Dollar im Jahr 2035 steigen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 5,8 Prozent entspricht. Für 2026 rechnen die Analyst:innen Stephen Laszczyk und Eric Sheridan mit einem Plus von 6,7 Prozent.

Im Segment Recorded Music erwartet Goldman Sachs beim Umsatz ein jährliches Plus von 6,3 Prozent. Die Erlöse der Rechteinhaber:innen sollen von 31,7 auf 56,1 Milliarden Dollar wachsen, was vor allem dem Streaming zu verdanken ist. Das Publishing-Geschäft soll der Prognose zufolge um 4,8 Prozent pro Jahr zulegen, die Livebranche um 5,7 Prozent. Trotz der vorangegangenen Schwächeperiode sieht der Report hier weiterhin Rückenwind: Nach nur 0,5 Prozent Wachstum im Jahr 2025 wird für 2026 ein Plus von sechs Prozent veranschlagt.

Rückblickend wuchs der Gesamtmarkt im Jahr 2025 um 4,4 Prozent und damit langsamer als die zuvor erwarteten 7,7 Prozent. Recorded Music übertraf mit einem Wachstum von 6,4 Prozent auf 31,7 Milliarden Dollar hingegen die Erwartungen. Die Umsätze mit Abo-Streaming stiegen um 8,8 Prozent, wobei 73 Millionen neue Abonnent:innen vorwiegend aus sogenannten Emerging Markets kamen. Die Erlöse aus dem Verkauf physischer Tonträger stiegen um 8,0 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar und erreichten damit den höchsten Wert seit 2013. Dabei legte Vinyl um 13,7 Prozent zu.

Goldman Sachs sieht mit Blick auf die kommenden Jahre vor allem Spielraum für Preiserhöhungen im Abo-Streaming – zunächst in entwickelten Märkten und später auch in Schwellenländern. Generative KI bewerten die Autor:innen kurzfristig eher als Chance denn als Risiko. Durch KI-Lizenzierung, Kreativwerkzeuge und neue Erlösmodelle könnten die Umsätze im Bereich Recorded Music bis 2035 um rund zehn Prozent steigen. Allerdings sehen die Analyst:innen hier einen großen Spielraum. Die niedrig angesetzte Prognose sieht die Umsätze mit generativ kreierter Musik bei rund 900 Milliarden Dollar, der sehr optimistische Ausblick liegt dagegen bei 6,59 Milliarden Dollar.

In den Goldman-Sachs-Prognosen rund um KI gelten skalierte Streamingdienste als relative Gewinner. Für Labels und Rechteinhaber falle das Chance-Risiko-Profil dagegen ausgewogener aus. Am besten geschützt sind Katalogwerke mit generationenübergreifender Bekanntheit sowie Superstars; anfälliger sind funktionale und generische Musik.

Bei werbefinanzierter Musik besteht weiterhin Potenzial, sofern Gratisangebote stärker von Premiumtarifen abgegrenzt werden und als Einstieg in kostenpflichtige Abonnements genutzt werden. Laut Report könnte das D2C-Geschäft von derzeit zweistelligen auf dreistellige Millionenbeträge pro Jahr wachsen.

Anlageseitig bevorzugt Goldman Sachs Distributoren von Musik und Audio sowie Live-Entertainment gegenüber Rechteinhabern. Mit „Buy“ bewertet werden die Aktien Spotify, Alphabet, Tencent Music, Sony, Live Nation, Hybe und NetEase Cloud Music. Anteilsscheine von der Universal Music Group und der Warner Music Group stuft das Haus mit „Neutral“ ein, iHeartMedia mit „Sell“.