Gewinner wie Herbert Grönemeyer, Die Fantastischen Vier, Die Ärzte, Kastelruther Spatzen, Bushido und Till Brönner verdeutlichen: Die 17. Verleihung des Echo am 15. Februar stand ganz im Zeichen der etablierten Kräfte im Musikgeschäft. Grönemeyer brachte es bei der Verleihung auf zwei Auszeichnungen: Er erhielt sie als erfolgreichster nationaler Künstler und für das erfolgreichste Album des Jahres. Das freute ihn sichtlich, und er erfreute dafür das Publikum mit einer intelligenten und witzigen Dankesrede. Und wer bei der anschließenden Party nach Mitternacht die Tanzfläche aufsuchte, der durfte über einen heftig und ausgelassen – und durchaus locker – tanzenden Grönemeyer staunen. Er rockte mit seiner 18-jährigen Tochter Marie und mit Rolf Zuckowski ab. Bei der Preisgala hatte Dieter Thomas Heck, der einen Sonder-Echo bekam, noch beklagt, dass nur einer nie bei ihm aufgetreten sei – nämlich der Herbert. Aber wer weiß: Das kann nach Hecks flammendem Plädoyer für deutsche und deutschsprachige Produktionen ja noch kommen. Rolf Zuckowski, der als Deutschlands erfolg- und einflussreichster Kinderliedermacher den Echo für sein Lebenswerk erhielt, bewies mit seinen zum Teil gesungenen Dankesworten intellektuelles Format, konnte in vokaler Hinsicht allerdings mit der mehrstimmig gesungenen Laudatio der Prinzen auf ihn nicht mithalten. Wie Grönemeyer doppelt ausgezeichnet wurde DJ Ötzi, zum einen als erfolgreichster Schlagerinterpret, zum anderen zusammen mit Nik P. für den „Hit des Jahres“. Und auch Rapper Bushido bekam zwei Trophäen: Er gewann in der Kategorie HipHop national und wurde zudem von den Nutzern von bild.de und rtl.de per Online-Voting zum Live-Act des Jahres gekürt. Da ließ sich Schauspieler Moritz Bleibtreu als Laudator, der im Locker-Outfit, wie er es sonst sicher nie zur Berlinale tragen würde, auf die Bühne geschlendert kam, sogar zu einem verbalen Rap-Gehversuch hinreißen, der allerdings gründlich misslang. Immerhin machten ihm Bushido und Crew später Hoffnung, dass er vielleicht mal mit ihnen ins Studio dürfe. Für Oliver Pocher hingegen werden Bushidos Studiotüren wohl verschlossen bleiben, nachdem der Hauptdarsteller des Films „Vollidiot“ mit unqualifizierten Bemerkungen glänzte, womit er die Bushido-Replik erntete: „Du kannst jetzt wieder zurück in die Anstalt.“ Durchschnittlich 4,46 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die von Werner Kimmig für RTL produzierte 17. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo durch die Deutsche Phono-Akademie. Die Show erreichte einen Marktanteil von 16 Prozent, in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es sogar 24,7 Prozent. Mit dieser Bilanz übertraf RTL das Rekordergebnis von 2006, als sich die damalige Verlegung vom Samstag- auf den Sonntagabend mit 4,21 Millionen Zuschauern und einer Gesamtquote von 12,7 Prozent ausgezahlt hatte. Das Ergebnis vom Vorjahr holte der Echo 2008 sogar lässig ein: Die Preisverleihung 2007 wollten an einem Sonntagabend Ende März nur 2,87 Millionen Menschen sehen, was einer Gesamtquote von nur 9,5 Prozent und von 15,5 Prozent in der Hauptzielgruppe entsprach. Die Vorabverleihung der Branchen-Echos hatte schon einen feierlicheren Rahmen gesehen als das Funkturmrestaurant am Messedamm; das ließen sich Preisträger und Laudatoren allerdings nicht anmerken. Executive Producer Gerd Gebhardt verteidigte zudem erneut die Wahl des frühen Termins für die Verleihung des Echo 2008. „Berlin verträgt zwei gleichzeitig stattfindende Veranstaltungen wie diese“, sagte er im Hinblick auf die Überschneidung von Berlinale und Echo-Verleihung. Die Phono-Akademie habe sich bei der Terminfindung vor allem an den Grammys und den Brit Awards orientiert, es sei nicht der Plan gewesen, in Konkurrenz zur Berlinale zu treten. „Andreas Herbig hat ein Dauerabo auf die Charts“, lobte Udo Lindenberg den preisgekrönten Produzenten. „Er wohnt geradezu in den Top-Ten, während ich im Hotel wohne.“ Der Erfolg Herbigs sei „geradezu unkollegial“, meinte der schmunzelnde Rocker. Markus Kavka bezeichnete derweil Radio Fritz, den Medienpartner des Jahres, als „Arschgeigen-freie Zone“, und Udo Lange grüßte seine „früheren Kollegen“ aus dem Musikgeschäft mit einem Hinweis auf die Aufmachung der ausgezeichneten Onkelz-DVD: „Auch so lässt sich etwas verpacken – es muss nicht immer billig sein.“ 3
Dossier: Echo 2008
Trotz Berlinale kamen viele deutsche und internationale Stars zur diesjährigen Echo-Verleihung. Nur Alicia Keys musste kurzfristig wegen Krankheit absagen, was aber nicht wirklich auffiel. RTL holte mit der Fernsehübertragung der Veranstaltung eine neue Rekordquote, und die anschließende Echo-Party zeigte zumindest eins: Die deutsche Musikbranche versteht noch immer die Feste zu feiern, wie sie fallen.





