Recorded & Publishing

Dampfer ahoi!

Manchmal ist weniger anscheinend wirklich mehr. In den vergangenen Monaten hat sich die edel-Company dermaßen zielstrebig und zügig von diversen Beteiligungen getrennt, dass man bisweilen schon fürchten musste, demnächst bliebe nichts anderes mehr übrig, als der schöne Büroneubau am Hamburger Hafen.

Doch Kapitän Michael Haentjes und sein neuer Lotse Jörg Hellwig steuern – zusammen mit einer zum Teil frisch angeheuerten Mannschaft – den Dampfer, der bereits auf Grund gelaufen schien, nun anscheinend doch noch in sichere Gewässer. Dass es Haentjes gelang, sein Unternehmen noch rechtzeitig zu entschulden, bevor die Kirch-Pleite unwetterartig am Horizont aufzog und damit bei Banken und Geldgebern womöglich Angst vor der eigenen Courage geschürt hätte, darf man im Nachhinein als ziemlich gelungenen Schachzug bezeichnen. Dass Haentjes den ehemaligen Polydor-Chef Jörg Hellwig verpflichtete und dass dieser wiederum einige andere ausgewiesene Könner ihres Fachs mitbrachte, lässt sich zumindest als glückliche Fügung bezeichnen. Dass jetzt mit Scooter und Mad“House zwei Kontor-Acts die deutschen Singles-Charts anführen und mit ATB und Shaham & Brandon zwei weitere edel-Themen gut im Rennen liegen, kommt also nicht ganz von ungefähr.

Und es deutet darauf hin, dass nun auch die Hit-Durststrecke für edel überwunden ist, zumal sich mit Alben von Mousse T., Jennifer Paige und Marshall & Alexander weitere Schwerpunktthemen ankündigen. Es sieht also ganz so aus, als hätte sich edel wieder mehr Manövrierfähigkeit verschafft, indem man sich vom Ballast vieler Beteiligungen trennte. Doch zum Glück hat man im Zuge dieser Bereinigungen nicht auch die Taue zum höchst erfolgreichen Partner Kontor gekappt. Und wenn Haentjes & Co. dereinst Lehren aus der Vergangenheit ziehen, werden sie vielleicht den Börsengang als Anfang allen Übels erkennen.

Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur