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Wie die ­Ausbildungslücke schließen?

Die Livebranche setzt im Angesicht des Fachkräftemangels verstärkt auf eigens ausgebildeten Nachwuchs, etwa durch ein duales Studium. Auch die Jahrhunderthalle fährt gemeinsam mit dem D.College ­zweigleisig und hat für das Wintersemester bereits eine zweite duale Studentin angemeldet.

“Was lange gefehlt hat, war ein Studiengang, der wirklich passgenau auf Live-Entertainment zugeschnitten ist“, findet Ellen Giersberg. Sie ist Prokuristin und Leiterin Kommunikation im Kultur- und Kongresszentrum Jahrhunderthalle Frankfurt.

Diese Lücke schließe für sie der duale Bachelor am D.College, welchen D.Live und die Hochschule Fresenius 2024 ins Leben gerufen haben. Nach erster Erfahrung mit dem Modell steht für das Wintersemester nun die nächste akademische Newcomerin bei der Jahrhunderthalle in den Startlöchern.

Die Motivation? „Wir machen seit vielen Jahren richtig gute Erfahrungen mit dual Studierenden – weil die Verbindung aus Praxis und Ausbildung bei uns einfach gut funktioniert“, wie Giersberg erklärt. Für das neue Semester stellt der Betrieb mit der Studentin Emily gezielt eine Nachwuchskraft ein, bei der das Unternehmen den Bachelor bewusst zur Voraussetzung gemacht hat.

Im Kurzinterview mit MusikWoche betont Giersberg die Notwendigkeit einer klaren inhaltlichen Ausrichtung der Lehre, die sich deutlich von klassischen Studiengängen unterscheide. So habe man festgestellt, „dass viele Studiengänge inhaltlich nicht ausreichend auf unsere Branche zugeschnitten waren. Genau hier schließt das D.College für uns eine wichtige Lücke, da die Inhalte stärker an unserem praktischen Berufsalltag ausgerichtet sind. So können unsere Studierenden das Gelernte direkt im Arbeitsalltag anwenden.“

In besagtem Daily Business durchlaufen die Studierenden alle relevanten Abteilungen – von der Veranstaltungstechnik über das Booking bis hin zum Marketing –, bevor sie in die Projektleitung einsteigen. Ziel sei ein ganzheitlicher Branchenüberblick.

Findet es gut, den Nachwuchs von vornherein auf dem eigenen Qualitätsniveau auszubilden: Ellen Giersberg, Prokuristin und Leitung Kommunikation Jahrhunderthalle. Foto: Kultur- und Kongresszentrum Jahrhunderthalle

Die Investition in den Nachwuchs diene primär der eigenen Personalentwicklung. Verläuft die Ausbildung fachlich wie menschlich erfolgreich, bezeichnet Giersberg –  die auch für Personalfragen und Recruiting im Unternehmen zuständig ist – die Übernahme mittlerweile als absolute „Wunschlösung“, um Talente langfristig an das Unternehmen zu binden.

Für MusikWoche erläutert sie: „Die Studierenden entwickeln vor allem praktische Skills in Booking, Rechnungswesen und Marketing, die sie direkt im Berufsalltag anwenden können. Zugleich gewinnen sie ein besseres Verständnis für branchenspezifische Zusammenhänge, das ‚große Ganze‘ sowie den Kontakt zu Machern aus der Branche und sammeln praktische Einblicke in verschiedene Veranstaltungsformate.“ Die Branchenneulinge könnten so ihre Perspektive über einzelne Aufgaben hinaus erweitern.

Angesichts des dynamischen Marktumfelds sieht Giersberg die Live-Entertainment-Betriebe in der Pflicht, selbst Verantwortung für die Ausbildung zu übernehmen. „Das Live Entertainment ist stark spezifisch und dynamisch und lässt sich in allgemeinen Studiengängen kaum ausreichend abbilden“, berichtet sie. „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es uns wichtig, selbst gezielt Nachwuchs auszubilden und langfristig qualifizierte Fachkräfte für die Branche zu sichern.“

Anderen Arbeitgebern rät die Personalverantwortliche, die Scheu vor langen Einarbeitungszeiten abzulegen. Es lohne sich, früh Verantwortung zu übergeben, da man sich so die künftige Kolleg:innenschaft direkt auf dem eigenen Qualitätsniveau heranziehen könne.

Dass dieses Konzept auf fruchtbaren Boden stoße, bestätigt auch die Studentin Mayleen Strobel – die erste, die das duale Programm von D.Live und der Jahrhunderthalle durchläuft. Sie berichtet MusikWoche: „Ich nehme mein Studium am D.College als praxisnah und abwechslungsreich wahr. Wie der Zusatz ‚Music, Sports and Venue‘ sagt, ist mein Studiengang sehr konkret auf die Entertainmentbranche zugeschnitten und es werden viele Inhalte vermittelt, die ich direkt im Arbeitsalltag anwenden kann. Durch die Module aus den verschiedenen Veranstaltungsbereichen bekomme ich einen guten Überblick über Zusammenhänge und das Zusammenspiel der verschiedenen Berufsbilder.“

Bei einer Präsenzphase in­ ­Düsseldorf: die erste duale Studentin der Jahrhunderthalle, Mayleen Strobel (rechts). Foto: D.Live

Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Theorie und Praxis löse Strobel durch Flexibilität des Arbeitgebers sowie ein gutes Zeitmanagement in den Prüfungsphasen. Was würde sie angehenden Studierenden raten? „Man sollte Lust auf Tempo, Abwechslung und Verantwortung mitbringen. Es ist nicht nur ’studieren‘ und auch nicht nur ‚arbeiten‘, sondern wirklich beides – und das heißt: gute Selbst­organisation und Flexibilität, denn ein berufsbegleitendes Studium in dieser Branche ist nicht nine to five.“

Im Gegenzug dazu bekomme man „einen sehr praxisnahen Studiengang mit Branchenfokus, einen guten Überblick über Zusammenhänge im Live Entertainment – und jeden Tag Situationen, in denen man das Gelernte direkt anwenden kann“.