“Es ist irgendwie verrückt, wenn man sich die Historie des SWR3 New Pop Festivals anschaut“, sagt Gregor Friedel, Abteilungsleiter Musik und Musikevents bei der SWR3 PopUnit, im Rückblick auf das vergangene Jahr, als das SWR3 New Pop Festival sein 30-jähriges Jubiläum feierte. „Hier haben, zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere, jede Menge heutiger Weltstars gespielt und natürlich ist es für uns eine große Aufgabe, dieser Legacy auch beim 30. New Pop und den folgenden Festivals gerecht zu werden. In der Gesamtheit war das Jubiläumsfestival ein voller Erfolg: gestartet mit einer intimen SWR3 Casino Session mit Clueso, dann drei Tage ‚normales’ Festival, den ‚Homecoming’- Sonntag mit Joris, Kraftklub und Calum Scott – in außergewöhnlicher Besetzung mit der SWR Big Band – heutzutage würde man wohl sagen, it’s a wrap. Das hängt natürlich dann auch die Latte für das Folgejahr nochmal ein Mü höher.
Friedel würde allerdings nicht so weit gehen, das Jubiläum als Neupositionierung zu bezeichnen.“ Einen Neuanfang stellte das Jubiläumsjahr nicht dar, weil wir das Festival ja von Jahr zu Jahr anpassen, optimieren und verändern. Das SWR3 New Pop Festival hat unverändert ein sehr hohes Renommee in der Musikszene, für Labels, Managements und KünstlerInnen.“
Radio ist nur noch ein Player von vielen
Grundsätzlich sei in der Zeit vor Social Media und insbesondere vor TikTok ungleich leichter gewesen, ein wertiges Booking zusammenzustellen, so der Musikchef weiter. „Durch die Diversifizierung des Medienmarkts und die Vielfalt der Angebote, ist ‚Radio’ halt nur noch ein Player von vielen. Budgets bei Labels wurden gekürzt und verschoben und die Idee des New Pop Festivals war ja immer ‚gemeinschaftlicher Künstleraufbau’. Gleichwohl ist es immer wieder spannend zu sehen, dass es Acts gibt, die verstehen, was Radio im Allgemeinen und das SWR3 New Pop Festival im Speziellen für Karrieren tun kann.“
Friedel ist zwar klar, dass es vermessen wäre, zu sagen, dass Acts durch ihren Auftritt beim SWR3 New Pop Festival den ganz großen Durchbruch geschafft hätten. „Sicher sind wir da ein im Idealfall nicht unbedeutender, Mosaikstein, aber wenn Sie sich die Namen der vergangenen Jahre anschauen: Sam Fender, Lewis Capaldi, Lola Young, Olivia Dean, Raye, Benson Boone, in diesem Jahr Sienna Spiro: Wir haben offenbar unverändert ein ganz gutes Händchen dafür, die entscheidenden KünstlerInnen zu entdecken und fürs Festival zu buchen. Übrigens, auch das sei hier gesagt, alle unverändert in frühen Stadien ihrer Karrieren.“
Beim Booking für das SWR3 New Pop Festival versuche man, einen Querschnitt der für uns relevanten, aktuellen KünstlerInnen und Musikrichtungen – im weitesten Sinn „Pop“ – abzubilden, erläutert Friedel. „Dazu kommen die Homecoming-Konzerte von Acts, die vor ein paar Jahren zu Beginn ihrer Karriere hier gespielt haben und jetzt als ‚Stars’ wiederkommen. Uns freut es natürlich sehr, dass dadurch vonseiten der KünstlerInnen auch eine Verbundenheit zu SWR3 und dem SWR3 New Pop Festival ausgedrückt wird.“
„Viele Acts haben gar kein Repertoire für eine ganze Stunde.“ Gregor Friedel, SWR3
Zugleich führt er aus, dass es „gar nicht mehr so einfach“ sei, KünstlerInnen für die 60-minütigen „Einzelkonzerte“ zu finden, weil durch die veränderte Signing-Policy und Player wie TikTok viele Acts gar kein Repertoire für eine ganze Stunde hätten. Das Booking hierfür sei also schwieriger geworden. „Für die Open Air Bühne hingegen, auf der während der drei Tage acht Acts mit einer Showtime von 25 Minuten auftreten, ist es viel einfacher geworden – und viel hochwertiger. Es gibt mittlerweile viele absolute Top Acts, die eben keine Stunde spielen können, aber höchstklassig sind. In diesem Jahr spielen dort unter anderem Tiffany Aris, Lusaint und Sekou. Das zeigt deutlich, welche Qualität wir da haben.“
Neben den Konzerten gibt es ein kostenfreies Rahmenprogramm mit Konzerten, Interviews und Live-Übertragungen. Der rote Teppich quer durch die Stadt, Partnerlounges in Locations wie dem Bellini, der Roomers Rooftop Bar, dem Café Bar Trinkhalle, dem Leo’s, dem Rizzi, der Luiza Rooftop Bar oder dem Fleur, in denen gefeiert werden kann, sollen deutlich machen: „Dieses Festival findet nicht nur in den Venues statt, sondern mitten im öffentlichen Raum.“ Mitveranstalter Cupra will diese Ausrichtung unterstützen: „Musik, Kultur und Begegnung verbinden sich zu einem Event, bei dem SWR3, Baden-Baden, Künstlerinnen und Künstler sowie Besucherinnen und Besucher gemeinsam ein Stück gelebter Kulturförderung gestalten.“
Ein Festival als Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags
Das Festival sei Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags von SWR3: Kultur fördern, Vielfalt sichtbar machen und Musik für alle zugänglich machen. Entsprechend holt das SWR3 Festivalradio Livemusik, Interviews und Reportagen täglich live ins Programm, sodass Hörerinnen und Hörer im ganzen Sendegebiet an dem teilhaben können, was in Baden-Baden passiere, so der Sender. Auch auf Social Media begleitet SWR das Event. „Radio und Web werden so zur Brücke zwischen Künstlerinnen und Künstlern und den Musikfans – ob sie vor Ort sind, zuhören oder online teilhaben: Newcomer werden vorgestellt, Hintergründe erzählt, und das Publikum erlebt, wie Musik und Geschichten miteinander verknüpft werden.“ Die Konzerte sind zudem live auf SWR3.de, in ARD Sounds und in der ARD Mediathek live sowie zeitversetzt abrufbar.
Das Festival setze seit Jahren auf Nachhaltigkeit: „Die kostenlose An- und Abreise mit den Nahverkehrszügen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist ein wichtiger Baustein: Musikfans sollen einfach, umweltfreundlich und barrierearm nach Baden-Baden reisen können. So wird Kulturförderung konkret – indem der Zugang zu Live-Musik erleichtert und gleichzeitig auf klimafreundliche Mobilität gesetzt wird.“
„Wir holen jedes Jahr wieder die ‚Rising Stars‘ der Popmusik auf die Bühnen, auf der sie wirklich jede und jeder erleben kann – ohne VIP-Mauer dazwischen“, erläutert SWR3 Musik- und Festivalchef Gregor Friedel. „Und wir sorgen dafür, dass diese Nähe nicht an der Tür zur Location aufhört. SWR3 verbindet das Publikum mit den Künstlern, erzählt ihre Geschichten und macht so ganz konkret Kulturförderung – im Radio, online und mitten in Baden-Baden. Damit setzen wir auf unser Prinzip: gemeinsam, lokal, vernetzt. Wir schaffen einen Raum, in dem Musik nicht nur gehört, sondern auch gefühlt und geteilt wird – mit der Region, mit der Community und über digitale Kanäle.“
„Die Zeiten für wöchentliche Musikformate sind vorbei.“ Gregor Friedel, SWR3
Geändert haben sich über die Jahre die Ausstrahlungsmodalitäten der Festival-Shows. So überträgt der SWR die Konzerte nicht live im Radio, aber „selbstverständlich“ im Livestream, so Friedel. „Die Angebote für ARD Sounds und ARD Mediathek wurden in den vergangenen Jahren immer mehr ausgeweitet, was Liveausstrahlungen angeht. Unser Digitaldepartment und insbesondere unser Social Team haben den Output rund um das New Pop in den vergangenen Jahren immens hochgefahren. Natürlich laufen die Konzerte auch im SWR Fernsehen und in 3sat, aber der Schwerpunkt liegt mittlerweile schon auf dem Angebot, das zeitautonom genutzt werden kann, schlicht, weil das dem kontemporären Konsumverhalten entspricht.“
Friedel glaubt zudem, dass die Zeiten, in denen es wöchentliche Musikformate gab, vorbei seien. „Eben aus Gründen, dass zeitautonome Nutzung absoluten Vorrang in den relevanten Zielgruppen hat. Spannend wird, wie sich das Nutzungsverhalten verändern wird. Welche Rolle spielt Bewegtbild bei solchen Formaten? Bringt im Audiobereich der Podcast-Boom neue Formate hervor, die rein Audio sein werden und funktionieren, oder ist es wichtig, dass diese auch abgefilmt werden? Das alles wird eine Rolle spielen. Aber wöchentliche Musikformate im linearen Fernsehen werden, da bin ich sicher, nicht mehr reüssieren können.“
Termine SWR3 New Pop Festival:
17.09.2026 Gentleman, Clueso, Charlotte Cardin
18.09.2026 Fayan, Giant Rooks, ADMT
19.09.2026 Holly Humberstone, Sienna Spiro, Luiza, Cupra DJ-Night mit YouNotUs, Topic






