An den 23. März 1982 werden sich alle erinnern, die damals nichtsahnend die ARD-Musikshow „Bananas“ eingeschaltet hatten und dort Zeuge eines historischen Auftritts wurden: Drei junge Männer, die sich ganz schlicht Trio nannten, führten dort eine minimalistische Hymne mit einem Spielzeug-Keyboard von Casio, einer Rockgitarre und einem ausgebildeten Clown an den Trommeln auf. Was von vielen zunächst belächelt, wenn nicht gar be- oder verlacht wurde, entwickelte sich bald zu einem Welthit, der selbst die damals aufbrausende Neue Deutsche Welle mit ihren eigentümlichen Songs und Acts transzendierte. Sänger, Textdichter und kreativer Kopf von Trio war ein gewisser Stephan Remmler, am 25. Oktober 1946 in Witten geboren, in Bremerhaven aufgewachsen, dort 1958 Zeitzeuge bei der Ankunft von Elvis Presley in Deutschland, in den 60er-Jahren Mitglied einer Beat-Band, in den Siebzigern als Schlagersänger Rex Carter unterwegs und mit Jobs als Hauptschullehrer sowie als Musikdozent an der Universität Oldenburg.

Aus all diesen Erfahrungen muss sich bei Stephan Remmler ein kreativer Mahlstrom gebildet haben, der sich dann in von Klaus Voormann produzierten Songs wie „Da Da Da“, mit dem Trio damals besagte „Bananas“-Folge und auch später die „ZDF-Hitparade“ völlig aus den Angeln hoben, „Anna – lassmichrein lassmichraus“, „Herz ist Trumpf“, „Bum Bum“ oder „Turaluraluralu – Ich mach Bubu was machst du“ neue Formen suchte – irgendwo zwischen Blödelei, Dadaismus und hohem Unsinn. So etwas hatte es in Deutschland noch nicht gegeben, und auch hinterher nicht mehr. Trio blieben einzigartig. Auch wenn der Zauber nach nur drei Alben zwischen 1981 und 1985 für Mercury schon wieder vorbei war, so blieb Stephan Remmler, der seine beiden viel zu früh verstorbenen Trio-Kollegen inzwischen überlebt hat, der deutschen Musikszene doch noch einige Jahrzehnte erhalten.
Ein tiefgründiger Karnevalsschlager
Mit seinen ersten Soloalben, „Stephan Remmler“ (1986), „Lotto“ (1988), „Vamos“ (1993) oder „Projekt F – Auf der Suche nach dem Schatz der verlorenen Gefühle“ (1991), wo er Lieder von Freddy Quinn neu interpretierte, pflegte er stets einen hinter- bis tiefgründigen Humor. Der Titel „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ entwickelte sich gar zu einem veritablen Karnevalsschlager, auch wenn bei Songs wie diesem oder auch dem Hit „Keine Sterne in Athen (3-4-5 x in 1 Monat)“ und „Mein Freund ist Neger“ oder „Frauen sind böse“ stets eine doppelbödige, ambivalente Gesellschaftskritik mitschwang. Immer wieder schafften es Remmler-Songs in die Charts wie die frühe Solosingle „Feuerwerk“ mit der Sängerin Nina, zudem war er extrem kooperationsfreudig und nahm unter anderem mit Status Quo, Sido, LaBrassBanda, den Toten Hosen, Curt Cress, Carl Carlton oder Nena & Oliver Pocher vielbeachtete Stücke auf. Auch als Sprecher (etwa für die Hörbuchfassung der Keith-Richards-Autobiografie „Life“) und als Schauspieler („Drei gegen drei“, „Krieg der Töne“) machte er von sich reden. Zwar ist es zuletzt etwas ruhiger um ihn geworden, doch seinen Sonderplatz in der deutschen Musikgeschichte hat er sich längst verdient: Wir haben ihn reingelassen und können ihn auch nicht wieder rauslassen.
GLÜCKWUNSCH VON UNIVERSAL MUSIC
„Sein Eigensinn und Humor bereichern die deutsche Musik“
Thomas Thyssen, Senior Director Catalogue Domestic, Licensing & Polystar Universal Music: Stephan Remmler hat ein untrügliches Gespür für das Wesentliche: Songs mit wenigen Mitteln eine unverwechselbare Handschrift zu geben, ist große Kunst. Zu seinem 80. Geburtstag feiern wir einen Künstler, dessen Eigensinn und Humor die deutsche Musik über die Landesgrenzen hinweg bis heute bereichern und nachhaltig geprägt haben. Lieber Stephan, alles erdenklich Gute zu Deinem Ehrentag von Deinem Universal-Music-Catalogue-Domestic-Team.






