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UK-Kartellwächter sehen Live Nation in dominierender Position

Nach einer ersten Untersuchung hat das britische Unterhaus das Business And Trade Committee beauftragt, bis Ende 2026 den UK-Live-Markt dahingehend noch tiefer zu durchleuchten, ob Live Nation seine marktbeherrschende Position zum Nachteil anderer Marktteilnehmer ausnutze.

Ein Ausschuss im House Of Commons ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Live Nation in der britischen Livebranche angeblich ein „Klima der Angst“ geschaffen habe. In dem nun vorgelegten Bericht heißt es, dass Live Nation in mehreren Sektoren der britischen Wertschöpfungskette für Livemusik die Kriterien für eine marktbeherrschende Stellung erfülle. Der Bericht stellt fest, dass Bedenken hinsichtlich der drei Faktoren bestehen, die die britische Wettbewerbsbehörde Competition And Markets Authority (CMA) zur Bestimmung einer marktbeherrschenden Stellung üblicherweise heranzieht.

Im Oktober 2025 hatte der Ausschuss dazu aufgerufen, schriftliche Stellungnahmen einzureichen. Daraufhin gingen 45 Beiträge ein – wobei ein „erheblicher Teil“ darum bat, die Angaben anonym oder vertraulich übermitteln zu dürfen, aus Angst vor Repressalien. „Dies allein schon gibt Anlass zu Bedenken hinsichtlich der marktbeherrschenden und kontrollierenden Stellung von Live Nation auf dem Markt“, heißt es in dem Bericht.

Im Ticketprimärmarkt stellte der Ausschuss für das Jahr 2025 fest, dass Live Nation in dem Zeitraum 58 Prozent der insgesamt 23,1 Millionen zum Verkauf stehenden Tickets direkt kontrolliert habe – ein Anteil, der auf 66 Prozent ansteige, wenn man die über Affiliate-Unternehmen gesteuerten Verkäufe hinzurechnet. Andrew Parsons, Managing Director und Regional Vice President Ticketmaster UK & Ireland, bestritt jedoch im Rahmen einer Anhörung, dass Live Nation eine marktbeherrschende Stellung innehabe. „Das ist eine Einschätzung, die ich nicht teile. Der Markt im Vereinigten Königreich ist äußerst hart umkämpft.“

Ein Live-Nation-Sprecher sagte zudem der Zeitung „The Independent“: „Dieser Bericht verzerrt das Bild der britischen Live-Musikbranche, indem er sich auf ungenaue Daten und unbelegte Schlussfolgerungen stützt. Wir werden uns konstruktiv an jedem Prozess beteiligen, der Artists, Fans und der gesamten Branche zugutekommt; die Debatte über diesen Sektor muss jedoch auf Fakten basieren – und nicht auf bloßen Behauptungen und Hörensagen.“

Die marktbeherrschende Stellung von Live Nation will der Bericht aber auch an anderen Faktoren festmachen. So sagte Dean James von der MAMA Group über Live Nation: „Wer nicht in ihren Veranstaltungsorten auftritt, tritt auch nicht auf ihren Festivals auf.“ Unabhängige Veranstaltungsagenturen bemängeln darüber hinaus, dass von Live Nation betriebene Spielstätten über das Ticketing entscheiden.

Grundsätzlich würde Live Nation Gewinne aus margenstärkeren Segmenten wie etwa dem Ticketing zur Quersubventionierung der Veranstaltungsplanung einzusetzen. Dadurch wäre Live Nation im Bieterstreit um Top-Acts und deren Tourneen im Vorteil gegenüber kleineren Wettbewerbern.

Der Abgeordnete Liam Byrne von der Labour Party kommentiert: „Die Beweise, die wir im Zuge dieser Untersuchung erhalten haben, deuten auf tiefe Bedenken hin, ob der Wettbewerb in der Branche derzeit für Fans, Künstler, Veranstaltungsorte und unabhängige Veranstalter fair funktioniert. Was den Ausschuss besonders alarmierte, war nicht nur das Ausmaß der Marktposition von Live Nation – die sich über die Bereiche Veranstaltungsmanagement, Spielstätten und Ticketing erstreckt –, sondern auch das Klima der Angst, auf das wir während dieser Untersuchung stießen.“

In einer ersten Stellungnahme zu dem nun vorgelegten Bericht erklärt die Association of Independent Festivals (AIF): „Die AIF begrüßt den Bericht des Ausschusses und unterstützt dessen Empfehlungen vollumfänglich – insbesondere die Forderung an die Wettbewerbs- und Marktbehörde (CMA), zügig eine vorrangige Untersuchung der Branche für Livemusik einzuleiten, um die Marktfunktion zu verbessern und Wachstum im Vereinigten Königreich zu generieren.“

Die Hauptlast dieser Arbeit werde auf der CMA ruhen, so der Verband weiter. „Wir appellieren an das Ministerium für Wirtschaft und Handel, aktiv zu werden und die notwendige zusätzliche Unterstützung bereitzustellen, um die CMA personell und finanziell so auszustatten, dass sie ihre Aufgabe vollumfänglich erfüllen kann. Die Mittel, die jetzt investiert werden, werden sich um ein Vielfaches amortisieren – gemessen an den Verlusten, die dem Publikum sowie unabhängigen Festivals, Veranstaltern und Künstlern derzeit infolge der Marktdominanz von Live Nation entstehen.“